Der Andrang auf Informatik-Studiengänge und IT-Ausbildungsberufe bleibt ungebrochen. Laut Statista fehlten in Deutschland 2024 rund 149.000 IT-Fachkräfte. Gleichzeitig wächst die Zahl der Studienanfänger in der Informatik auf knapp 50.000 pro Jahr. Wer also 2026 in diesen Bereich einsteigen will, hat gute Karten, sollte aber wissen, was ihn erwartet und wie er sich gezielt vorbereitet.
Studium oder Ausbildung: Zwei Wege, ein Ziel
Die Entscheidung zwischen einem Informatikstudium und einer dualen Ausbildung zum Fachinformatiker ist keine Frage des Prestiges, sondern der persönlichen Situation. Ein Bachelorstudium dauert in der Regelstudienzeit sieben Semester, kostet Semesterbeiträge zwischen 200 und 400 Euro und setzt in den meisten Bundesländern das Abitur oder Fachabitur voraus. Die Ausbildung zum Fachinformatiker läuft drei Jahre, wird vergütet und endet mit der IHK-Abschlussprüfung.
Wer frühzeitig Praxiserfahrung und ein Gehalt möchte, wählt häufig die Ausbildung. Wer breiter theoretisch ausgebildet sein will und spätere Führungs- oder Forschungspositionen anstrebt, entscheidet sich für das Studium. Beide Wege führen in gut bezahlte Jobs: Laut Gehaltsreport 2024 verdienen ausgelernte Fachinformatiker im Schnitt 38.000 bis 46.000 Euro brutto im Einstieg, Bachelor-Absolventen starten oft zwischen 42.000 und 55.000 Euro.
Was man wirklich können muss, bevor es losgeht
Ein verbreiteter Irrtum: Wer gut in Mathe war, schafft Informatik problemlos. Mathematik ist tatsächlich eine wichtige Grundlage, aber sie ist nicht die einzige. Zu den echten Einstiegsvoraussetzungen gehören:
- Logisches Denken: Probleme in Teilschritte zerlegen, Abhängigkeiten erkennen und Lösungswege strukturieren.
- Grundkenntnisse in Algebra und Analysis: Funktionen, Mengen, diskrete Mathematik und Wahrscheinlichkeitsrechnung tauchen im ersten Semester direkt auf.
- Grundverständnis von Rechnerarchitektur: Was ist ein Prozessortakt, wie funktioniert ein Binärsystem, was ist der Unterschied zwischen RAM und persistentem Speicher?
- Erste Programmiererfahrung: Nicht zwingend erforderlich, aber ein enormer Vorteil. Python oder Java lassen sich über Plattformen wie Codecademy oder die offizielle Python-Dokumentation schnell auf Grundniveau erlernen.
Wer im Sommer 2025 anfängt, sich vorzubereiten, hat bis zum Wintersemester 2026 gut 12 Monate Zeit. Das reicht, um zumindest eine Programmiersprache auf Anfängerniveau zu beherrschen und sich mit den mathematischen Grundlagen vertraut zu machen.
Theoretische Informatik: Unterschätzt, aber unvermeidbar
Ob Studium oder Ausbildung, ein Bereich macht vielen Einsteigern unerwartet zu schaffen: die theoretische Informatik. Sie umfasst formale Sprachen, Automatentheorie, Algorithmenanalyse und Komplexitätsklassen. Diese Inhalte wirken zunächst abstrakt und weit weg von der Praxis, sind aber die Grundlage dafür, zu verstehen, warum bestimmte Probleme überhaupt lösbar sind und warum manche Algorithmen effizienter arbeiten als andere. Wer sich frühzeitig mit Theoretische Informatik befasst, hat in der Prüfungsvorbereitung deutlich weniger Aufholbedarf.
Gerade für die IHK-Abschlussprüfung ist dieses Wissen nicht verhandelbar. Die schriftlichen Prüfungsteile greifen regelmäßig auf Themen wie Datenbankmodellierung, Netzwerktopologien und Algorithmen zurück, die ohne theoretisches Fundament schwer zu bearbeiten sind.
Die IHK-Prüfung zum Fachinformatiker: Aufbau und Tipps
Die IHK-Abschlussprüfung gliedert sich seit der Reform 2020 in zwei Teile. Teil 1 findet nach etwa 18 Monaten Ausbildungszeit statt und prüft grundlegende Kompetenzen in Softwareentwicklung beziehungsweise Systemintegration, je nach Fachrichtung. Teil 2 folgt am Ende der Ausbildung und besteht aus einem betrieblichen Projekt, einer Projektdokumentation und einem Fachgespräch.
Konkret sieht das so aus:
- Betriebliches Projekt: 70 Stunden Bearbeitungszeit, Thema wird im Betrieb abgestimmt und muss vom Prüfungsausschuss genehmigt werden.
- Projektdokumentation: Maximal 35 Seiten, strukturiert nach Projektplanung, Umsetzung und Ergebnisbewertung.
- Fachgespräch: Etwa 30 Minuten, basiert auf der Dokumentation und prüft das Verständnis des eigenen Projekts.
- Schriftliche Prüfung: Mehrere Prüfungsbereiche mit Multiple-Choice- und Freitextaufgaben.
Die Bestehensgrenze liegt bei mindestens 50 Punkten je Prüfungsbereich, wobei ein Bereich mit weniger als 30 Punkten automatisch zum Nichtbestehen führt. Wer Teil 1 mit schlechtem Ergebnis abschließt, kann dies in Teil 2 nur begrenzt kompensieren.
Zeithorizont und realistische Planung
Wer 2026 starten will, sollte den Bewerbungsprozess für duale Ausbildungsplätze spätestens im Herbst 2025 beginnen. Viele Unternehmen, besonders größere wie SAP, Deutsche Telekom oder regionale Systemhäuser, schreiben Ausbildungsplätze ein Jahr im Voraus aus. Für ein Studium an einer staatlichen Hochschule läuft die Bewerbung über Hochschulstart oder direkt über die Hochschule, Bewerbungsfristen enden häufig im Mai oder Juli 2026 für das Wintersemester.
Für beide Wege gilt: Praktische Vorkenntnisse sind kein Muss, aber sie verschaffen einen spürbaren Vorsprung. Ein dreimonatiges Praktikum in einem IT-Betrieb, ein abgeschlossener Online-Kurs in Python oder ein kleines Eigenprojekt auf GitHub können in Bewerbungsgesprächen den Unterschied machen.
Empfohlene Vorbereitungsmaßnahmen im Überblick
| Zeitraum | Maßnahme |
|---|---|
| Sofort | Python-Grundkurs abschließen (ca. 40 Stunden) |
| 3 Monate vor Bewerbung | Praktikum organisieren oder erstes eigenes Projekt dokumentieren |
| Parallel | Mathematik-Grundlagen auffrischen, besonders Mengenlehre und Logik |
| Kurz vor Start | Prüfungsthemen sichten, Musterprüfungen der IHK durcharbeiten |
Fazit: Vorbereitung schlägt Talent
Informatik studieren oder eine IT-Ausbildung zu absolvieren ist 2026 realistischer denn je, aber der Einstieg gelingt leichter mit einem klaren Plan. Wer weiß, wie die IHK-Prüfung aufgebaut ist, welche theoretischen Grundlagen wirklich geprüft werden, und wer sich mindestens sechs bis zwölf Monate vor dem Start konkret vorbereitet, hat deutlich bessere Chancen. Der IT-Arbeitsmarkt belohnt diese Investition mit stabiler Nachfrage und überdurchschnittlichen Einstiegsgehältern, unabhängig davon, ob man über die Hochschule oder die Ausbildung einsteigt.
