Ein Fluss, den kaum jemand kennt
Berlin hat die Spree, die Havel, die Dahme. Wer etwas genauer hinschaut, findet noch einen vierten Fluss, der sich durch den Norden der Stadt schlängelt: die Panke. Sie entspringt in Brandenburg, durchfließt Pankow, Wedding und Mitte und mündet schließlich in den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal. Gerade einmal 29 Kilometer lang, hat sie dennoch eine eigene Geschichte, eigene Uferabschnitte und eigene Charakterviertel. Für einen Tagesausflug oder ein verlängertes Wochenende in Berlin lohnt sich die Panke als Leitfaden durch Stadtteile, die im klassischen Touristenprogramm selten auftauchen.
Das ist kein Nachteil. Wer entlang der Panke spaziert oder radelt, trifft auf alte Fabrikgebäude aus dem 19. Jahrhundert, auf Kleingartenkolonien, auf Spielplätze und auf Abschnitte, die sich in den vergangenen Jahren zu grünen Oasen entwickelt haben. Der Fluss ist kein Highlight im Sinne eines Sehenswürdigkeitenkatalogs. Er ist ein Weg, der einen durch echtes Berliner Stadtleben führt.
Die Route: Vom Pankower Norden durch Wedding
Wer die Panke erwandern will, beginnt am besten in Pankow-Heinersdorf oder in Niederschönhausen. Vom S-Bahnhof Pankow sind es wenige Gehminuten bis ans Ufer. Von dort aus führt ein weitgehend durchgehender Weg nach Süden, vorbei an Schönholzer Heide, durch Buch und Gesundbrunnen bis in den Wedding. Die gesamte Strecke innerhalb Berlins beträgt etwa 15 Kilometer und lässt sich in drei bis vier Stunden bequem ablaufen.
Besonders sehenswert ist der Abschnitt zwischen der Grunowstraße und dem Ramlerpark in Wedding. Hier wurde das Ufer in den 2010er-Jahren renaturiert: Statt Betonkanten gibt es Uferböschungen mit heimischen Pflanzen, Erlen und Weidenbäumen. Im Sommer sitzen hier Anwohner auf selbst mitgebrachten Stühlen. Der Ramlerpark selbst ist klein, hat aber einen der wenigen öffentlichen Grills im Bezirk. Dienstags und freitags ist auf dem nahegelegenen Leopoldplatz Markt, was sich gut mit einem Stopp verbinden lässt.
Was die Panke über Berlin erzählt
Die Panke war über Jahrhunderte Arbeitsfluss. Mühlen, Gerber, Wollwebereien nutzten ihr Wasser. Im 18. Jahrhundert trieb sie die Gewehrmühle in Pankow an, die Waffen für die preußische Armee fertigte. Mit der Industrialisierung wurde sie zum Abwasserkanal, in Teilen sogar unterirdisch verlegt. Erst seit den 1990er-Jahren gibt es systematische Bemühungen, sie wieder sichtbar zu machen und die Wasserqualität zu verbessern.
Wer sich vorab informieren möchte, findet auf der Website des Panke Fluss Projekts umfangreiche Karten, historische Hintergründe und aktuelle Informationen zur Wasserqualität und laufenden Renaturierungsmaßnahmen. Der Fluss ist damit kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein Stadtentwicklungsprozess, den man beim Spazierengehen buchstäblich beobachten kann.
Nachhaltig anreisen und vor Ort bewegen
Berlin ist per Bahn sehr gut erreichbar. Von Hamburg braucht man mit dem ICE rund 1 Stunde 45 Minuten, von Frankfurt etwa 4 Stunden, von Köln knapp 4 Stunden 20 Minuten. Das Deutschlandticket gilt im gesamten Berliner Nahverkehr und macht auch die Anreise mit Regional- oder S-Bahn günstig. Wer nur einen Tag in Berlin verbringt, kommt ohne Mietwagen aus.
Für die Panke-Route selbst gibt es mehrere sinnvolle Optionen:
- Zu Fuß: Die 15 Kilometer innerhalb Berlins sind ohne nennenswerte Steigungen gut zu laufen. Festes Schuhwerk reicht aus.
- Mit dem Fahrrad: Die meisten Uferabschnitte sind mit dem Rad befahrbar. Mietfahrräder der Deutschen Bahn (Nextbike) stehen an mehreren Stationen entlang der Route.
- Kombiniert mit der S-Bahn: Wer nicht die gesamte Strecke gehen will, steigt an Pankow, Gesundbrunnen oder Wedding ein und aus. Alle drei Bahnhöfe liegen nah am Fluss.
Essen und Einkehren entlang der Strecke
Das Angebot ist gemischt, was für die Ehrlichkeit des Viertels spricht. Im Bereich Pankow gibt es mehrere Bäckereien mit sitzungsfähigen Außenbereichen. In Wedding, besonders rund um die Müllerstraße und den Leopoldplatz, findet man günstige Küche aus der Türkei, dem Libanon und Westafrika. Wer etwas mehr ausgeben möchte: Das Restaurant „Nobelhart und Schmutzig“ liegt zwar nicht direkt am Fluss, ist aber mit der U-Bahn schnell erreichbar und arbeitet ausschließlich mit Zutaten aus Brandenburg und Berlin. Die Menüs beginnen bei etwa 110 Euro pro Person.
Für Mittagspausen unterwegs empfiehlt sich ein kleines Picknick vom Markt. Der erwähnte Leopoldplatzmarkt bietet frisches Gemüse, Oliven, Fladenbrot und hausgemachte Aufstriche zu Preisen, die in Berlin nicht mehr überall selbstverständlich sind.
Praktische Hinweise für den Ausflugstag
| Abschnitt | Länge | Besonderheit |
|---|---|---|
| Heinersdorf bis Niederschönhausen | ca. 3 km | Naturnahe Uferbereiche, ruhig |
| Niederschönhausen bis Gesundbrunnen | ca. 6 km | Historische Mühlenstandorte, Parks |
| Gesundbrunnen bis Wedding | ca. 4 km | Renaturierter Abschnitt, Ramlerpark |
| Wedding bis Mündung | ca. 2 km | Urbanes Umfeld, Kanalanbindung |
Die Panke ist kein Ausflugsziel für alle. Wer Schlösser, Museumsinseln und Touristenmassen sucht, ist woanders besser aufgehoben. Wer aber verstehen will, wie Stadtentwicklung, Naturschutz und Alltagsleben in Berlin zusammenwirken, findet hier einen ehrlichen Blick auf einen Fluss, der sich seinen Platz in der Stadt gerade neu erkämpft.
