Englischen Garten München zu Fuß entdecken

Englischen Garten München zu Fuß entdecken

München hat viele Gesichter: die Pinakotheken, den Viktualienmarkt, die Residenz. Wer aber verstehen will, wie die Stadt wirklich tickt, sollte sich ein paar Stunden Zeit nehmen und den Englischen Garten zu Fuß durchqueren. Mit einer Fläche von rund 375 Hektar ist er größer als der Central Park in New York und gehört zu den ausgedehntesten innerstädtischen Parks weltweit. An einem freien Samstag strömen hier bis zu 100.000 Menschen zusammen, Familien, Jogger, Surfer, Rentner auf Leihfahrrädern.

Anreise und Startpunkt: Wo fängt man an?

Die U-Bahn-Linie U3 oder U6 bringt Besucher bis zur Haltestelle Münchner Freiheit, von der aus der Nordeingang des Parks in wenigen Gehminuten erreichbar ist. Alternativ eignet sich der Südeingang nahe dem Haus der Kunst, der über die Prinzregentenstraße zugänglich ist. Wer mit dem Zug anreist, ist vom Hauptbahnhof mit der U4 oder U5 bis Lehel und dann zu Fuß in rund 15 Minuten am südlichen Parkrand.

Für eine vollständige Nord-Süd-Durchquerung sollte man mindestens drei Stunden einplanen, realistischer sind vier bis fünf Stunden mit Pausen. Die Gesamtlänge des Parks beträgt von Nord nach Süd etwa 5,5 Kilometer. Wer gemütlich läuft, legt dabei locker 10 bis 12 Kilometer zurück, wenn man Umwege und Schleifen einrechnet.

Der Eisbach: Surfen mitten in der Stadt

Kaum jemand, der zum ersten Mal am Eisbach steht, glaubt zunächst, was er sieht. An einem künstlich erzeugten Wellenkanal, direkt neben der befahrenen Prinzregentenstraße, stehen Surfer Schlange, um sich eine Minute auf dem Brett zu halten. Die stehende Welle entsteht durch den starken Abfluss aus dem Stadtbach und ist das ganze Jahr über aktiv, auch im Januar bei eisigen Temperaturen. Das Zusehen ist kostenlos, die Stimmung erinnert mehr an Bondi Beach als an eine bayerische Landeshauptstadt.

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Direkt dahinter beginnt das eigentliche Parkgelände. Wer den Weg entlang des Eisbach-Ufers nach Norden nimmt, passiert innerhalb von zehn Minuten die erste große Wiese, den sogenannten Monopteros-Hügel.

Monopteros, Biergarten und Japanisches Teehaus

Der Monopteros ist ein klassizistischer Rundtempel auf einem künstlichen Hügel, der 1836 fertiggestellt wurde. Von dort oben blickt man über die Münchner Stadtsilhouette, bei klarem Wetter sind Türme und sogar alpine Gipfel zu erkennen. Der Aufstieg dauert zwei Minuten, die Aussicht rechtfertigt jede Minute Wartezeit auf dem schmalen Pfad.

Keine 500 Meter nordwestlich liegt der Chinesische Turm, das Herzstück des bekanntesten Biergartens in München. Der hölzerne Turm wurde 1790 errichtet und ist fünfstöckig. Der Biergarten fasst rund 7.000 Plätze und ist an einem Augustnachmittag entsprechend voll. Wer seinen eigenen Proviant mitbringt, darf ihn an den nicht reservierten Tischen verzehren, nur die Getränke müssen am Stand gekauft werden. Eine Maß Bier kostet hier derzeit um die 15 Euro.

Wer ruhigere Ecken bevorzugt, findet diese etwa 800 Meter südöstlich beim Japanischen Teehaus am Kleinhesseloher See. Das Haus wurde 1972 im Zuge der Olympischen Spiele errichtet und ist von außen frei zugänglich. Teezeremonien finden an bestimmten Sonntagen statt, die Plätze sind begrenzt und sollten vorab gebucht werden.

Orientierung im Park: Wege, Karten, Beschilderung

Wer das erste Mal durch den Park geht, verliert sich garantiert. Das ist nicht schlimm, aber wer gezielt bestimmte Stellen ansteuern will, sollte sich vorbereiten. Offizielle Schautafeln stehen an den Haupteingängen und an den meisten Kreuzungen, die Beschriftung ist allerdings klein. Eine gute Anlaufstelle für Vorabrecherche ist die Informationsseite Englischer Garten, die Karten, Sehenswürdigkeiten und aktuelle Hinweise zu Veranstaltungen zusammenfasst.

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Im Park selbst verlaufen mehrere Wegkategorien nebeneinander. Breite Asphaltpfade sind für Radfahrer und Fußgänger freigegeben, schmälere Kieswege führen tiefer in die Gehölze. An Wochenenden sollte man auf Radfahrer achten, die Geschwindigkeiten auf den breiten Routen sind höher als man erwarten würde.

Kleinhesseloher See und nördliche Parkbereiche

Der Kleinhesseloher See im mittleren Teil des Parks ist ein beliebter Rastplatz. Tretboote und Ruderboote können zwischen April und Oktober für rund 13 Euro pro Stunde ausgeliehen werden. Rund um den See führen flache Uferwege, die auch für Kinderwagen und ältere Besucher problemlos begehbar sind. An sonnigen Nachmittagen ist der See vollständig von Spaziergängern umringt, frühere Morgenstunden sind deutlich angenehmer.

Der nördliche Teil des Parks, jenseits des Mittleren Rings, ist weniger bekannt und entsprechend stiller. Die Schönfeldwiese und die Flauscheranlage im Süden auf der anderen Seite sind ebenfalls Teil des Parkverbunds. Im nördlichen Abschnitt finden sich ausgedehnte Wiesen ohne Gastronomie, ideal für alle, die eine Pause vom Betrieb suchen.

Praktische Hinweise für den Ausflug

  • Festes Schuhwerk: Nach Regen sind viele Kieswege matschig, auf Sandalen sollte man dann verzichten.
  • Bargeld einplanen: Nicht alle Kioske und Biergärten akzeptieren Kartenzahlung, insbesondere an kleinen Ständen.
  • Sonnenschutz: Die großen Wiesen bieten im Sommer kaum Schatten. Wer länger rastet, sollte Creme und Kopfbedeckung dabei haben.
  • Hunde erlaubt: Im Englischen Garten sind Hunde gestattet, in bestimmten Bereichen muss die Leinenpflicht beachtet werden.
  • Öffnungszeiten: Der Park hat keine festen Öffnungszeiten und ist rund um die Uhr zugänglich. Gastronomie schließt je nach Betrieb zwischen 22 und 23 Uhr.

Ein letzter Hinweis für alle, die den Park fotografieren wollen: Die besten Lichtverhältnisse am Monopteros entstehen morgens zwischen 8 und 10 Uhr, wenn der Hügel noch nicht überfüllt ist und die Sonne flach über die Baumkronen fällt. Nachmittags kämpft man dort mit Gegenlicht und Menschenmassen.

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Der Englische Garten ist kein Highlight, das man abhakt und weiterzieht. Er ist ein Ort, an dem Münchner ihren Alltag verbringen, der die Stadt zusammenhält und erklärt. Wer ihn zu Fuß durchquert, versteht das ziemlich schnell.

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