Immobilie verkaufen: Ablauf, Bewertung, Maklerwahl

Immobilie verkaufen: Ablauf, Bewertung, Maklerwahl

Ein Immobilienverkauf ist für die meisten Menschen ein einmaliges Ereignis. Entsprechend groß ist die Unsicherheit: Was ist die Wohnung überhaupt wert? Welche Unterlagen werden gebraucht? Und braucht man wirklich einen Makler? Die Antworten hängen stark vom Einzelfall ab, doch der grundsätzliche Ablauf folgt einem klaren Muster.

Vorbereitung: Unterlagen zusammenstellen, bevor es losgeht

Wer unvorbereitet in einen Verkauf startet, verliert Zeit und Glaubwürdigkeit gegenüber Kaufinteressenten. Vor dem ersten Inserat sollten folgende Dokumente vollständig vorliegen:

  • Aktueller Grundbuchauszug (nicht älter als drei Monate)
  • Flurkarte und Lageplan
  • Energieausweis (Pflicht bei der Vermarktung)
  • Grundrisse, idealerweise maßstabsgetreu
  • Bei Eigentumswohnungen: Teilungserklärung, Protokolle der letzten drei Eigentümerversammlungen, aktuelle Hausgeldabrechnungen
  • Nachweise über Modernisierungen und Sanierungen

Gerade der Energieausweis wird oft unterschätzt. Fehlt er im Inserat, drohen Bußgelder von bis zu 15.000 Euro. Verbrauchsausweise sind günstiger (ab etwa 50 Euro), Bedarfsausweise aussagekräftiger und für bestimmte Gebäude vorgeschrieben.

Wertermittlung: Was die Immobilie wirklich wert ist

Viele Eigentümer überschätzen den Wert ihrer Immobilie, weil sie emotional gebunden sind. Ein Haus, in dem man 20 Jahre gelebt hat, hat einen persönlichen Wert, der sich am Markt nicht auszahlt. Für eine realistische Einschätzung gibt es drei anerkannte Verfahren.

Das Vergleichswertverfahren eignet sich besonders für Eigentumswohnungen und Reihenhäuser in Lagen mit vielen Vergleichsverkäufen. Es stützt sich auf tatsächlich erzielte Kaufpreise ähnlicher Objekte. Das Ertragswertverfahren kommt bei vermieteten Objekten zum Einsatz und kalkuliert den Wert auf Basis der erzielbaren Mieteinnahmen. Das Sachwertverfahren wird angewendet, wenn kaum Vergleichsobjekte vorhanden sind, etwa bei Einfamilienhäusern in ländlichen Gegenden.

Siehe auch:  Berechnung Grunderwerbsteuer » Einfach und Verständlich

Wer sich auf Online-Rechner verlässt, bekommt oft grobe Schätzungen mit Schwankungsbreiten von 20 Prozent und mehr. Ein lokaler Gutachter oder ein erfahrener Makler mit Marktkenntnissen liefert präzisere Ergebnisse. In München lag der Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen 2024 im Schnitt bei rund 7.500 Euro, in Leipzig bei etwa 2.800 Euro. Solche regionalen Unterschiede machen pauschale Bewertungen nutzlos.

Vermarktung: Preis, Exposé und Zielgruppe

Der Angebotspreis entscheidet, wie schnell und zu welchem Erlös verkauft wird. Ein zu hoher Einstiegspreis schreckt ab und führt zu langen Vermarktungszeiten. Studien zeigen, dass Objekte, die länger als 90 Tage am Markt sind, am Ende oft unter dem ursprünglichen Zielpreis verkauft werden, weil Interessenten die lange Laufzeit als Warnsignal deuten.

Ein gutes Exposé enthält professionelle Fotos, einen präzisen Grundriss und eine ehrliche Beschreibung ohne Werbephrasen. Formulierungen wie „idyllische Wohnlage“ für eine Hauptstraße oder „renovierungsbedürftig“ ohne weitere Angaben erzeugen Misstrauen. Wer die Zielgruppe kennt, kann gezielter kommunizieren: Eine Dreizimmerwohnung in Uni-Nähe spricht andere Käufer an als ein freistehendes Einfamilienhaus im Speckgürtel.

Mit oder ohne Makler verkaufen?

Diese Frage stellen sich viele Eigentümer, besonders weil die Maklerprovision in Deutschland seit 2020 zwischen Käufer und Verkäufer geteilt wird und damit für den Verkäufer in der Regel 1,5 bis 3,57 Prozent des Kaufpreises beträgt. Bei einem Kaufpreis von 400.000 Euro sind das bis zu 14.280 Euro Provision auf Verkäuferseite.

Trotzdem lohnt sich der Makler in vielen Fällen. Er kennt den lokalen Markt, hat ein Netzwerk vorgemerkter Kaufinteressenten und übernimmt zeitaufwändige Aufgaben wie Besichtigungen, Bonitätsprüfungen und Verhandlungen. Wer eine gute Orientierung sucht, findet auf Plattformen wie Immobilie verkaufen: so gelingt es konkrete Hinweise dazu, worauf beim Verkaufsprozess zu achten ist. Für Privatverkäufe ohne Makler eignen sich vor allem Objekte in gefragten Lagen mit klarer Zielgruppe und vollständigen Unterlagen.

Siehe auch:  Eigentumswohnung frei von Schädlingen halten - so geht's!

Bei der Maklerwahl gelten folgende Kriterien:

  • Lokale Marktkenntnis: Ein Makler aus der Region kennt Preislagen, Käufernachfrage und typische Verhandlungsspielräume besser als ein überregionaler Anbieter.
  • Referenzen: Konkrete Verkaufsnachweise in der Gegend sind aussagekräftiger als allgemeine Erfahrungsberichte.
  • Transparenz beim Vertrag: Alleinauftrag oder einfacher Maklerauftrag, Laufzeit, Kündigungsfristen und Provisionshöhe sollten klar geregelt sein.
  • Bewertungsmethode: Ein seriöser Makler erklärt, wie er den Angebotspreis kalkuliert, und überhöht ihn nicht, um den Auftrag zu bekommen.

Kaufvertrag und Übergabe: die letzte Phase

Sobald ein geeigneter Käufer gefunden ist, folgt der notarielle Kaufvertrag. In Deutschland ist dieser gesetzlich vorgeschrieben und kann nicht durch private Vereinbarungen ersetzt werden. Der Notar ist dabei neutral und vertritt weder Käufer noch Verkäufer, sondern sorgt für die rechtssichere Abwicklung.

Zwischen Unterzeichnung und Eigentumsübergang beim Grundbuchamt vergehen in der Regel vier bis acht Wochen. Erst wenn der Kaufpreis vollständig eingegangen ist, erfolgt die Schlüsselübergabe. Bei der Übergabe selbst empfiehlt sich ein detailliertes Übergabeprotokoll mit Zählerständen, Zustand aller Räume und einer Liste mitgegebener Schlüssel.

Steuern beim Verkauf nicht vergessen

Wer eine Immobilie innerhalb von zehn Jahren nach dem Kauf wieder verkauft und diese nicht ausschließlich selbst bewohnt hat, muss den Gewinn als privates Veräußerungsgeschäft versteuern. Der Steuersatz richtet sich nach dem persönlichen Einkommensteuersatz und kann bei hohen Gewinnen erheblich sein. Selbstnutzer sind davon befreit, sofern sie die Immobilie im Jahr des Verkaufs und in den beiden Vorjahren selbst bewohnt haben.

Ein Immobilienverkauf braucht Zeit, Vorbereitung und realistische Erwartungen. Wer diese drei Faktoren ernst nimmt, verkauft nicht schneller, aber besser.

Teilen Sie Diesen Artikel