Eine 90-Quadratmeter-Wohnung mit durchdachtem Einbauschrank-System, großem Keller und Abstellraum fühlt sich im Alltag oft geräumiger an als eine 110-Quadratmeter-Wohnung ohne jede Stauraumlösung. Wer schon einmal in einer schick renovierten Altbauwohnung gewohnt hat, in der Koffer unter dem Bett lagern und der Flur mit Regalen vollgestellt ist, weiß genau, wovon die Rede ist. Diese Erfahrung verändert, worauf Menschen beim nächsten Kauf oder der nächsten Anmietung achten.
Der Wandel in den Suchprofilen
Noch vor zehn Jahren dominierte die Wohnfläche nahezu jeden Suchfilter auf Immobilienplattformen. Heute ergänzen Interessenten ihre Suchanfragen zunehmend um konkrete Kriterien wie Kellerabteil, Abstellraum oder Einbauschränke. Das ist kein Zufall. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov aus dem Jahr 2023 gaben 61 Prozent der deutschen Befragten an, dass ausreichend Stauraum für ihre Wohnzufriedenheit mindestens genauso wichtig sei wie die Gesamtfläche der Wohnung.
Gleichzeitig sind Wohnflächen teurer geworden. In deutschen Großstädten liegt der Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen in guten Lagen häufig zwischen 4.500 und 7.500 Euro. Wer sich für eine kleinere, aber gut strukturierte Wohnung entscheidet, spart erheblich und verzichtet trotzdem nicht auf Lebensqualität, sofern Stauraum vorhanden ist. Diese Rechnung machen sich immer mehr Käufer bewusst auf.
Was „Stauraum“ konkret bedeutet
Der Begriff umfasst mehr als einen Keller. Käufer und Mieter denken dabei an ein ganzes Ökosystem aus Abstellmöglichkeiten:
- Abstellraum innerhalb der Wohnung, mindestens fünf bis acht Quadratmeter
- Kellerabteil mit ausreichend Deckenhöhe, idealerweise 2,10 Meter oder mehr
- Einbauschränke in Flur, Schlafzimmer oder Küche
- Abstellfläche auf dem Balkon oder der Terrasse
- Dachbodenfläche mit Zugangsmöglichkeit
- Fahrradkeller oder abschließbarer Schuppen
Fehlen diese Elemente, müssen Bewohner kreativ werden. Balkone werden zu Lagerräumen umfunktioniert, Schlafzimmer wirken durch meterhohe Regale erdrückend, und die Küche hat nie genug Platz für Küchengeräte, die nur gelegentlich genutzt werden. Das sind keine Kleinigkeiten, sondern Faktoren, die Alltagsstress verursachen.
Regionale Unterschiede und Marktbeobachtungen
In Ballungsräumen mit angespanntem Wohnungsmarkt spiegelt sich die gestiegene Nachfrage nach Stauraum bereits in den Preisen wider. Wohnungen mit Kellerabteil erzielen in München und Frankfurt im Schnitt drei bis fünf Prozent höhere Verkaufspreise als vergleichbare Objekte ohne dieses Merkmal. In mittelgroßen Städten ist der Effekt ähnlich, wenn auch weniger ausgeprägt.
Fachleute, die den lokalen Markt genau kennen, etwa Immobilien Dortmund Spezialisten, berichten, dass Käufer inzwischen bei Besichtigungen gezielt nach Kellerabteilen, Hauswirtschaftsräumen und Abstellkammern fragen, bevor sie sich die eigentlichen Wohnräume ansehen. Das war vor fünf Jahren anders.
Ein weiterer Treiber ist die Verbreitung von Homeoffice. Wer dauerhaft von zu Hause arbeitet, braucht Platz für Büromaterial, Drucker, Akten und technisches Equipment. Gleichzeitig sollen Wohnbereiche nicht wie Büros aussehen. Stauraum löst diesen Konflikt, weil er es erlaubt, Arbeitsmittel bei Bedarf wegzuräumen.
Neubauten reagieren auf den Trend
Bauträger haben die veränderten Prioritäten registriert. In aktuellen Grundrissen tauchen Hauswirtschaftsräume von sieben bis neun Quadratmetern häufiger auf als noch in der Bauphase zwischen 2010 und 2015. Einige Projekte bewerben explizit großzügige Kellerabteile als Verkaufsargument, ähnlich wie es mit Terrassen oder Tiefgaragenstellplätzen schon lange der Fall ist.
Interessant ist auch ein Vergleich zwischen deutschen und skandinavischen Baustandards. In Schweden und Norwegen gehören separate Abstellräume von mindestens sechs Quadratmetern für jede Wohneinheit seit Jahrzehnten zur Norm. Deutsche Architekten greifen diesen Gedanken zunehmend auf, und Bauherren honorieren es.
| Merkmal | Einfluss auf Kaufentscheidung (Umfrage 2023) |
|---|---|
| Kellerabteil vorhanden | 68 % der Befragten: kaufentscheidend oder sehr wichtig |
| Abstellraum in der Wohnung | 74 % der Befragten: kaufentscheidend oder sehr wichtig |
| Einbauschränke | 55 % der Befragten: kaufentscheidend oder sehr wichtig |
| Fahrradkeller | 49 % der Befragten: kaufentscheidend oder sehr wichtig |
Was Verkäufer daraus machen sollten
Wer eine Immobilie verkaufen will, sollte Stauraumlösungen nicht als selbstverständlich behandeln und im Exposé verschweigen. Ein ordentlich dargestelltes Kellerabteil, gezeigt auf Fotos mit gutem Licht und klaren Maßangaben, erhöht die Attraktivität des Inserats messbar. Besonders wirksam: Grundrisse, auf denen Abstellräume flächenmäßig korrekt eingetragen und beschriftet sind.
Verkäufer, die kurz vor dem Angebot noch investieren möchten, erzielen mit dem Einbau von Regalsystemen oder Einbauschränken im Flur häufig eine bessere Rendite als mit einer aufwendigen Badsanierung. Eine einfache Stahlregalanlage im Keller für etwa 300 Euro kann den Gesamteindruck erheblich verbessern, wenn der Raum vorher leer und dunkel wirkte.
Prioritäten neu justieren
Die Schlussfolgerung für Käufer ist eindeutig: Vor der Besichtigung lohnt es sich, eine eigene Liste mit Stauraumanforderungen zu erstellen. Wie viele Fahrräder sollen untergebracht werden? Gibt es Sportgeräte, Saisonkleidung, Werkzeug, Gartenmöbel? Wer diese Fragen beantwortet hat, bevor er Grundrisse vergleicht, stellt schnell fest, dass eine Wohnung mit 85 Quadratmetern und drei separaten Stauraumlösungen dem Alltag besser gerecht wird als eine mit 100 Quadratmetern ohne eine einzige Abstellmöglichkeit.
Quadratmeter auf dem Papier und Quadratmeter im Erleben sind zwei verschiedene Dinge. Wer das verinnerlicht hat, trifft beim Immobilienkauf bessere Entscheidungen und lebt langfristig zufriedener in den eigenen vier Wänden.
