Informiert wie ein Fuchs.

Algen im Aquarium: Typ bestimmen und gezielt bekämpfen

Der erste Fehler bei Algen im Aquarium ist fast immer die falsche Bestimmung. Pinselalgen und Bartalgen sehen sich ähnlich, haben aber unterschiedliche Auslöser. Cyanobakterien sind gar keine Algen und reagieren deshalb nicht auf Algenmittel. Und Grünpunktalgen entstehen aus einem Nährstoffmangel, weshalb sie schlimmer werden, wenn man die Düngung reduziert.

Der häufigste Einzelfaktor dahinter ist schwankendes CO₂ – Rechner und Einstellhilfe unter CO₂ im Aquarium.

Deshalb steht hier ein Bestimmungswerkzeug am Anfang und nicht eine Liste von Gegenmitteln. Vier Fragen genügen in der Regel, um den Typ einzugrenzen.

Algen bestimmen

Alle Typen im Vergleich

Typ Aussehen Hauptursache Erster Hebel
Pinselalgen harte Büschel 2–5 mm, schwarz schwankendes CO₂ CO₂-Zeitsteuerung
Bartalgen weiche Zotteln 1–3 cm, grau-violett organische Belastung Filterwartung, Wasserwechsel
Fadenalgen grüne Strähnen, weich Licht- und Nährstoffüberschuss Beleuchtungsdauer kürzen
Grünpunktalgen harte grüne Punkte Phosphatmangel Phosphat anheben
Kieselalgen hellbrauner Staubfilm junges Becken, Silikat abwarten
Cyanobakterien schmieriger Belag, muffiger Geruch Nitratmangel, tote Strömungszonen Nitrat anheben, Strömung
Schwebealgen grün getrübtes Wasser Ammoniumspitze UV-Klärer oder Dunkelkur

Die drei Stellschrauben hinter fast allen Algen

So verschieden die Typen sind, sie entstehen aus demselben Grundmuster: Licht, CO₂ und Nährstoffe stehen nicht im Verhältnis zueinander. Wo einer dieser drei Faktoren limitiert, können die Pflanzen die übrigen nicht verwerten, und was übrig bleibt, geht an die Algen.

Faktor Zielbereich Wenn zu niedrig Wenn zu hoch
Beleuchtungsdauer 8–10 h am Stück Pflanzen wachsen nicht Fadenalgen, Grünstaub
CO₂ 20–30 mg/l, stabil Pflanzen bremsen, Algen übernehmen Besatz gefährdet
Nitrat 10–25 mg/l Cyanobakterien Fadenalgen
Phosphat 0,1–1,0 mg/l Grünpunktalgen Fadenalgen
Eisen 0,05–0,1 mg/l Blattaufhellung Algenförderung ohne Pflanzennutzen

Zwei Werte in dieser Tabelle stehen entgegen der verbreiteten Erwartung: Sowohl Nitrat als auch Phosphat verursachen Algen nicht nur im Überschuss, sondern auch im Mangel. Wer bei Algenbefall reflexhaft die Düngung einstellt, trifft in etwa der Hälfte der Fälle die falsche Richtung.

Was fast nie hilft

  • Mittagspause bei der Beleuchtung. Kein belegbarer Effekt auf Algen, stört aber Pflanzen und CO₂-Kurve. Details unter Beleuchtungsdauer.
  • Blaues Licht gegen Algen. Algen nutzen dieselben Wellenlängen wie Pflanzen, siehe blaues Licht im Aquarium.
  • Pauschale Algenvernichter. Senken kurzfristig den Bestand, ändern nichts an den Bedingungen und belasten Wirbellose. Bei Cyanobakterien wirken sie ohnehin am Organismus vorbei.
  • Düngung komplett einstellen. Bei Grünpunktalgen und Cyanobakterien verstärkt das den Befall.
  • Großer Wasserwechsel bei grünem Wasser. Die verbliebenen Zellen holen die Verdünnung in ein bis zwei Tagen auf.

Vorbeugung

Ein Becken, in dem Licht, CO₂ und Nährstoffe zueinander passen und in dem genug Pflanzenmasse steht, bekommt selten ernsthafte Algenprobleme. Die wirksamsten Routinen sind unspektakulär: wöchentlicher Wasserwechsel von 30 bis 50 Prozent, regelmäßige Reinigung des Vorfilters, eine feste Beleuchtungsdauer über Zeitschaltuhr, und schnellwachsende Pflanzen als Nährstoffpuffer.

Hinzu kommt die richtige Grundlage. Ein sauber aufgebauter Bodengrund, passende Steine ohne unerwünschte Härtewirkung und eine Beleuchtung im richtigen Leistungsbereich verhindern mehr Probleme, als jede spätere Behandlung beheben kann. Wer bei den Wasserwerten nachjustieren muss, findet die Zusammenhänge unter pH-Wert senken und Osmoseanlage.

Häufige Fragen

Sind Algen im Aquarium schädlich für Fische?

In aller Regel nicht. Sie geben keine Giftstoffe ab und stellen keine direkte Gefahr dar. Bei Cyanobakterien ist etwas Vorsicht angebracht, weil manche Stämme Stoffwechselprodukte bilden, die nicht unbedenklich sind. Nach Arbeiten im Becken Hände waschen genügt als praktische Maßnahme.

Wie lange dauert es, Algen loszuwerden?

Der Neuzuwachs stoppt bei konsequenter Ursachenbehebung typischerweise nach zwei bis vier Wochen. Bis der vorhandene Bestand verschwunden ist, vergehen weitere vier bis zehn Wochen, je nachdem wie viel mechanisch entfernt wird.

Muss ich das Becken neu aufsetzen?

Praktisch nie. Auch hartnäckige Rotalgen verschwinden, wenn die Bedingungen nicht mehr stimmen. Ein Neustart setzt das Becken in die Einfahrphase zurück, in der Algen besonders begünstigt sind, und verschlimmert die Lage oft.

Welche Tiere fressen Algen?

Amanogarnelen gehen zuverlässig an weiche Fadenalgen, die Siamesische Rüsselbarbe auch an Bart- und Pinselalgen. Kein Tier ersetzt die Ursachenbehebung, und ein Besatz, der nur wegen der Algen einzieht, bleibt auch danach und bringt eigene Ansprüche mit.

Warum kommen Algen immer im neuen Becken?

Weil die Pflanzen in den ersten Wochen noch nicht wachsen und die Filterbiologie sich erst aufbaut. Nährstoffe stehen also zur Verfügung, ohne dass jemand sie abruft. Das legt sich, siehe Aquarium einfahren.

Schreibe einen Kommentar