CO₂ ist der Nährstoff, an dem im Pflanzenaquarium am häufigsten alles hängt. Licht und Dünger sind schnell eingestellt, aber ob die Pflanzen wachsen oder die Algen, entscheidet in den meisten Becken der Kohlendioxidgehalt – und zwar weniger seine Höhe als seine Stabilität.
Man kann CO₂ nicht direkt messen. Der Wert wird aus pH und Karbonathärte berechnet, und genau das macht der Rechner unten.
CO₂-Gehalt berechnen
Die Tabelle zum Nachschlagen
| KH \ pH | 6,4 | 6,6 | 6,8 | 7,0 | 7,2 | 7,4 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2 °dH | 28 | 18 | 11 | 7 | 4 | 3 |
| 3 °dH | 42 | 26 | 17 | 11 | 7 | 4 |
| 4 °dH | 56 | 35 | 22 | 14 | 9 | 6 |
| 5 °dH | 70 | 44 | 28 | 18 | 11 | 7 |
| 6 °dH | 84 | 53 | 33 | 21 | 13 | 8 |
| 8 °dH | 112 | 71 | 45 | 28 | 18 | 11 |
| 10 °dH | 140 | 88 | 56 | 35 | 22 | 14 |
| 12 °dH | 168 | 106 | 67 | 42 | 27 | 17 |
Angaben in mg/l, grün wäre der Bereich 20 bis 30. Aus der Tabelle liest man das eigentliche Problem harter Becken ab: Bei KH 12 wären für pH 6,8 rechnerisch 67 mg/l nötig, ein Wert, bei dem kein Fisch mehr atmen kann. Wer dauerhaft niedrige pH-Werte will, muss zuerst die Karbonathärte senken, nicht das CO₂ erhöhen. Wie das geht, steht unter pH-Wert senken und Osmoseanlage.
Warum Stabilität wichtiger ist als die Höhe
Ein Becken, das konstant bei 18 mg/l steht, hat weniger Algenprobleme als eines, das morgens bei 8 und nachmittags bei 32 liegt – obwohl der Durchschnitt im zweiten Fall höher ist.
Der Grund liegt in unterschiedlichen Reaktionszeiten. Höhere Pflanzen brauchen Stunden, um ihren Stoffwechsel an ein neues CO₂-Niveau anzupassen. Algen reagieren in Minuten. Jede Schwankung öffnet damit ein Zeitfenster, in dem Nährstoffe verfügbar sind und die Pflanzen sie nicht abrufen. Das ist der Hauptauslöser für Pinselalgen, und es ist der Grund, warum sie zuerst am Filterauslauf auftreten.
Die häufigsten Ursachen für Schwankungen
| Ursache | Erkennbar an | Abhilfe |
|---|---|---|
| Anlage startet zeitgleich mit dem Licht | Dauertest morgens blau, nachmittags grün | 60–90 Minuten vor dem Licht starten |
| Nachtabschaltung ohne Vorlauf | starker Anstieg des pH über Nacht | Abschaltung 60 Minuten vor Lichtende, Start früher |
| Verschmutzter Diffusor | Blasenzahl unverändert, Wert sinkt trotzdem | Diffusor reinigen, siehe unten |
| Nachtbelüftung | Wert morgens nahe null | zwei Wochen testweise weglassen |
| Flasche geht zur Neige | Druck fällt, Blasenzahl sinkt schleichend | Arbeitsdruck täglich kontrollieren |
| Starke Oberflächenbewegung | Wert dauerhaft niedrig trotz hoher Blasenzahl | Auslauf tiefer setzen, Strömung umlenken |
Einstellen: von der Blasenzahl zum Zielwert
Die Blasenzahl ist kein Zielwert, sondern nur die Stellschraube. Wie viele Blasen pro Minute nötig sind, hängt von Beckenvolumen, Lösungsmethode, Oberflächenbewegung und Bepflanzung ab und schwankt zwischen zwei Becken derselben Größe erheblich.
| Beckenvolumen | Startwert Blasen/Minute | Typischer Endwert |
|---|---|---|
| bis 60 l | 10–15 | 15–30 |
| 60–120 l | 20–30 | 30–60 |
| 120–240 l | 40–50 | 50–100 |
| über 240 l | 60–80 | 80–150 |
Das Vorgehen: mit dem Startwert beginnen, zwei Tage laufen lassen, dann jeweils am Ende der Lichtphase messen. Steht der Wert unter 20 mg/l, die Blasenzahl um etwa 20 Prozent erhöhen und wieder zwei Tage warten. Nie mehrere Änderungen an einem Tag, weil sich das Becken erst einpendeln muss.
Zwei Abbruchkriterien gelten unabhängig vom Messwert: Wenn Fische an der Oberfläche nach Luft schnappen oder auffällig ruhig am Boden stehen, wird sofort reduziert und belüftet. Und wenn der pH-Wert über den Tag um mehr als 0,6 Einheiten schwankt, liegt ein Steuerungsproblem vor, das man nicht mit mehr Gas löst.
Der Dauertest und seine Tücken
Der Dauertest ist ein kleines Glasbehältnis mit Indikatorflüssigkeit, das im Becken hängt. Zwischen Beckenwasser und Testflüssigkeit steht eine Luftblase, über die nur CO₂ diffundiert. Deshalb zeigt er den Wert zeitverzögert an – typischerweise mit zwei bis vier Stunden Nachlauf.
| Farbe | Bedeutung |
|---|---|
| Blau | zu wenig CO₂ |
| Grün | im Zielbereich |
| Gelb | zu viel, Besatz kontrollieren |
Drei Fehler treten immer wieder auf. Erstens wird der Test mit Beckenwasser befüllt statt mit der mitgelieferten Referenzlösung – dann misst er die Wasserfarbe und nicht das CO₂. Zweitens wird er direkt neben dem Diffusor platziert, wo lokal deutlich mehr Gas ankommt als im Rest des Beckens; er gehört an die gegenüberliegende Seite. Drittens wird die Indikatorflüssigkeit nicht gewechselt – sie ist nach etwa vier Wochen erschöpft und zeigt danach falsche Werte.
Wichtig für die Beurteilung: Der Test soll am Ende der Lichtphase dieselbe Farbe zeigen wie am Anfang. Ein Becken, das morgens blau und nachmittags grün ist, hat kein zu niedriges CO₂, sondern ein Zeitsteuerungsproblem.
Diffusor reinigen
Die Keramikmembran eines Diffusors setzt sich mit Biofilm und Kalk zu. Die Blasen werden dabei größer und unregelmäßiger, die Lösungsrate sinkt – und zwar, ohne dass sich an der eingestellten Blasenzahl etwas ändert. Deshalb bleibt der Fehler oft lange unbemerkt.
- Diffusor ausbauen und den Schlauch abziehen.
- Für ein bis zwei Stunden in eine Lösung aus einem Teil Essigessenz und drei Teilen Wasser legen. Bei starkem Kalkbelag über Nacht.
- Die Keramikscheibe mit einer weichen Zahnbürste abreiben. Nicht schrubben, die Membran ist empfindlich.
- Gründlich unter fließendem Wasser spülen, bis kein Essiggeruch mehr wahrnehmbar ist.
- Vor dem Einbau kurz mit Gas durchblasen und prüfen, ob wieder ein feiner, gleichmäßiger Nebel entsteht.
Als Intervall haben sich vier bis acht Wochen bewährt. Wer den Diffusor an eine Stelle mit guter Strömung setzt, verlängert das Intervall, weil sich weniger Biofilm ansetzt.
Braucht mein Becken überhaupt CO₂?
| Bepflanzung | CO₂ | Begründung |
|---|---|---|
| Anubias, Javafarn, Moose | nicht nötig | Schattenpflanzen mit geringem Umsatz, wachsen ohnehin langsam |
| Cryptocorynen, Vallisnerien, Wasserpest | optional | wachsen ohne CO₂, mit deutlich schneller |
| Stängelpflanzen, Echinodorus | empfehlenswert | ohne CO₂ oft dünner Wuchs und kleine Blätter |
| Bodendecker, Rotpflanzen, Aquascape | erforderlich | ohne CO₂ nicht dauerhaft zu halten |
| Reines Fischbecken ohne echte Bepflanzung | nicht nötig | ohne Pflanzen kein Verbraucher |
Ein häufiger Irrtum: CO₂ nachrüsten, weil die Pflanzen kümmern, obwohl in Wahrheit das Licht zu schwach oder ein Nährstoff limitierend ist. Vor dem Kauf lohnt der Abgleich mit dem Licht-Rechner und ein Blick auf die Beleuchtungsdauer. Wenn Licht und Dünger stimmen und die Pflanzen trotzdem nicht wachsen, ist CO₂ der nächste Schritt.
Sicherheit
CO₂ ist in den hier relevanten Mengen für Menschen unbedenklich, für Fische aber nicht. Drei Punkte gehören beachtet:
- Nachtabschaltung. Pflanzen verbrauchen nachts kein CO₂, gleichzeitig atmen sie und der Besatz. Ohne Abschaltung steigt der Gehalt bei gleichzeitig sinkendem Sauerstoff.
- Rückschlagventil. Zwischen Flasche und Becken gehört eines, sonst kann bei Druckverlust Wasser in den Druckminderer laufen.
- Blasenzähler nicht überfüllen. Läuft er über, gelangt Wasser in die Leitung und die Anzeige wird unbrauchbar.
Häufige Fragen
Warum stimmt mein berechneter Wert nicht mit dem Dauertest überein?
Meist wegen anderer Säuren im Wasser. Huminstoffe aus Wurzeln, Torf oder Seemandelbaumblättern senken den pH, ohne CO₂ beizusteuern. Die Berechnung aus pH und KH zeigt dann zu hohe Werte an. Der Dauertest ist in solchen Becken die verlässlichere Angabe, weil er nur auf CO₂ reagiert.
Reicht eine Bio-CO₂-Anlage?
Für Becken bis etwa 60 Liter mit mäßiger Bepflanzung ja. Der Nachteil ist genau das, worauf es ankommt: Die Gärung liefert keinen konstanten Druck, die Ausbeute schwankt über die Standzeit der Mischung und lässt sich nicht regeln. Für stabile Werte ist eine Druckgasanlage die bessere Wahl.
Wie lange hält eine CO₂-Flasche?
Bei einer 500-Gramm-Flasche und einem 120-Liter-Becken mit etwa 40 Blasen pro Minute sind grob vier bis sechs Monate realistisch. Die Spanne ist groß, weil Lösungsmethode und Oberflächenbewegung stark hineinspielen. Ein Manometer für den Flaschendruck ist die einzige verlässliche Restanzeige.
Kann ich CO₂ auch über Flüssigkohlenstoff ersetzen?
Nur begrenzt. Diese Präparate liefern keinen nennenswerten Kohlenstoff im Sinne der Photosynthese, ihr Effekt beruht überwiegend auf einer algenhemmenden Wirkung. Für ein schwach bepflanztes Becken kann das genügen, eine CO₂-Anlage ersetzen sie nicht.
Muss die Karbonathärte mindestens 4 betragen?
Nein, aber unter 3 °dH fehlt dem Wasser die Pufferwirkung und der pH-Wert schwankt bei jeder CO₂-Änderung stark. In Weichwasserbecken ist das beherrschbar, verlangt aber engere Kontrolle. Über KH 10 wird die Steuerung über CO₂ dagegen praktisch wirkungslos.
Fördert CO₂ Algen?
Im Gegenteil, stabiles CO₂ ist eines der wirksamsten Mittel dagegen, weil es die Pflanzen in die Lage versetzt, die vorhandenen Nährstoffe abzurufen. Algenfördernd ist nicht das CO₂, sondern seine Schwankung. Welche Alge auf welche Ursache hinweist, zeigt das Bestimmungswerkzeug unter Algen im Aquarium.