Bartalgen sehen aus wie graue Zotteln, die im Strömungsschatten hin und her wedeln. Sie sitzen auf Wurzeln, an Blattspitzen und auf Dekoration, werden bis zu drei Zentimeter lang und wirken deutlich weicher als die harten Büschel der Pinselalge. Botanisch sind beide eng verwandt, praktisch unterscheiden sie sich in einem Punkt, der für die Behandlung entscheidend ist: Bartalgen reagieren stärker auf organische Belastung als auf CO₂-Schwankungen.
Falls doch CO₂ im Spiel ist: Rechner und Zielwerte stehen unter CO₂ im Aquarium.
Unsicher, ob es sich wirklich um diesen Typ handelt? Das Bestimmungswerkzeug für Algen im Aquarium grenzt in vier Fragen ein.
Bartalge oder Pinselalge?
Die Verwechslung ist häufig und führt regelmäßig dazu, dass wochenlang am falschen Hebel gedreht wird. Beide gehören zu den Rotalgen, beide sind dunkel, beide lassen sich schlecht abwischen. Die Unterscheidung gelingt über Länge, Beweglichkeit und Standort.
| Bartalgen | Pinselalgen | |
|---|---|---|
| Länge | 10–30 mm | 2–5 mm |
| Konsistenz | weich, biegsam, bewegt sich in der Strömung | hart, borstig, steht starr ab |
| Erscheinungsbild | zottelige Fäden, oft in Büscheln zusammenhängend | kompakte, kurze Punktbüschel |
| Bevorzugtes Substrat | Wurzeln, Steine, Deko, tote Pflanzenteile | Blattränder, Technik, Filterauslauf |
| Häufigster Auslöser | hohe organische Fracht, überalterte Filtermedien | schwankendes CO₂ |
| Erster Hebel | Filterwartung und Wasserwechsel | CO₂-Zeitsteuerung |
Wer beides gleichzeitig im Becken hat, was durchaus vorkommt, arbeitet beide Ursachen parallel ab. Die Details zum CO₂-Teil stehen bei den Pinselalgen im Aquarium.
Die Ursache: gelöste organische Stoffe
Bartalgen nutzen gelöste organische Verbindungen, die im Becken anfallen und nicht abgebaut oder ausgetragen werden. Diese Fracht stammt aus Futterresten, abgestorbenen Pflanzenteilen, Ausscheidungen und aus dem Filter selbst, wenn dessen Medien überaltert sind.
Der Filter ist dabei der am häufigsten übersehene Punkt. Ein Außenfilter, der zwei Jahre nicht geöffnet wurde, ist kein biologisches Kraftwerk, sondern eine Sammelstelle. Grobes Filtervlies setzt sich zu, die Durchflussmenge sinkt, und das gebundene organische Material wird nicht entfernt, sondern kontinuierlich wieder ins Wasser abgegeben. Zur sinnvollen Bestückung und den Wartungsintervallen der einzelnen Lagen lohnt der Blick auf die Reihenfolge der Filtermedien.
Woran man die organische Belastung erkennt
| Indiz | Bedeutung | Maßnahme |
|---|---|---|
| Gelbstich im Wasser bei Blick über die volle Beckenlänge | Huminstoffe und gelöste Organik reichern sich an | Wasserwechsel erhöhen, Aktivkohle für 2 Wochen |
| Filterauslauf schwächer als bei Inbetriebnahme | Vlies und Grobschaum zugesetzt | Vorfilter alle 2–4 Wochen ausspülen |
| Mulm zwischen den Pflanzen sichtbar | Sedimentation übersteigt Abbau | bei jedem Wasserwechsel partiell mulmen |
| Futterreste nach 3 Minuten noch am Boden | Überfütterung | Menge halbieren, auf 2 kleine Gaben verteilen |
| Abgestorbene Blätter bleiben liegen | zusätzliche Nährstoffquelle | wöchentlich ausschneiden und entfernen |
Behandlung in der richtigen Reihenfolge
1. Filter und Bodengrund entlasten
Vorfilterschwamm und Grobvlies unter lauwarmem Aquarienwasser ausspülen, nicht unter dem Wasserhahn. Feine Biomedien nur zur Hälfte und nur, wenn sie sichtbar zugesetzt sind, damit die Filterbiologie erhalten bleibt. Danach den Bodengrund in den befallenen Zonen mulmen.
2. Wasserwechsel auf wöchentlich stellen
30 bis 50 Prozent pro Woche über mindestens vier Wochen. Das trägt genau die gelösten Stoffe aus, von denen die Bartalgen leben, und wirkt schneller als jede Dosierung aus der Flasche. Wer bisher alle zwei bis drei Wochen gewechselt hat, sieht den Effekt meist nach dem dritten Termin.
3. Befallenes Hardscape ausbauen
Wurzeln und Steine lassen sich außerhalb des Beckens gründlich behandeln. Bürste plus Essigbad im Verhältnis ein Teil Essigessenz auf drei Teile Wasser für zehn bis fünfzehn Minuten, danach so lange spülen, bis nichts mehr nach Essig riecht. Bei Wurzeln, die sich vollgesogen haben, dauert das Spülen länger als man denkt, hier lieber zweimal wässern.
4. Punktuelle Behandlung mit Wasserstoffperoxid
Wie bei allen Rotalgen wirkt dreiprozentiges Wasserstoffperoxid direkt auf die Fäden. Übliche Praxis sind 10 bis 20 Milliliter pro 100 Liter Beckenvolumen, mit einer Spritze bei abgeschalteter Strömung aufgetragen, nach 10 bis 15 Minuten Strömung wieder an. Die Fäden verfärben sich in zwei bis drei Tagen rötlich und werden dann abgeweidet. Bei Garnelenbesatz die untere Grenze wählen und nicht an mehreren Tagen hintereinander dosieren.
5. Pflanzenmasse erhöhen
Schnellwachsende Stängelpflanzen und Schwimmpflanzen nehmen gelöste Nährstoffe in großer Menge auf und entziehen den Bartalgen damit die Grundlage. Hornkraut, Wasserpest und Muschelblume sind unkompliziert und lassen sich nach der Sanierung wieder ausdünnen. Ein Becken mit dichter Bepflanzung bekommt selten Bartalgen.
Was gegen Bartalgen frisst
Die Siamesische Rüsselbarbe (Crossocheilus oblongus) ist das einzige Tier mit belegbar deutlicher Wirkung, und zwar vor allem bei jungen Exemplaren. Sie wird allerdings bis zu 14 Zentimeter lang, ist ein aktiver Schwimmer und braucht ab etwa 200 Liter Beckenvolumen. Sie wird im Handel häufig mit ähnlich gezeichneten Arten verwechselt, die keine Algen fressen. Erkennungsmerkmal ist der durchgehende schwarze Längsstreifen, der bis in die Schwanzflosse hineinläuft.
Amanogarnelen gehen an weiche, kurze Bartalgen und an bereits behandelte Fäden, sind gegen frischen, langen Bewuchs aber überfordert. Antennenwelse und Schnecken spielen praktisch keine Rolle.
Praxisbeispiel
Ein 112-Liter-Becken ohne CO₂, seit drei Jahren in Betrieb, Innenfilter, Wasserwechsel etwa alle drei Wochen. Auf der Mopaniwurzel und an den Spitzen der Cryptocorynen hingen graue Zotteln von rund zwei Zentimetern. Das Wasser hatte im Längsblick einen deutlichen Gelbstich. Nitrat 30 mg/l, Phosphat 1,4 mg/l.
Der Filter war seit über einem Jahr nicht geöffnet worden, das Grobvlies vollständig zugesetzt. Vorgehen: Filter gereinigt, Vlies erneuert, Wurzel ausgebaut und im Essigbad behandelt, Wasserwechsel auf wöchentlich 40 Prozent umgestellt, zusätzlich Hornkraut eingesetzt. Nach vier Wochen war der Gelbstich weg und es gab keinen Neuzuwachs mehr. Die verbliebenen Reste an den Cryptocorynen wurden mit den befallenen Blättern herausgeschnitten.
Häufige Fragen
Warum ausgerechnet auf der Wurzel?
Wurzeln geben über Monate organische Stoffe ab und bieten eine raue, gut besiedelbare Oberfläche. Beides zusammen macht sie zum bevorzugten Standort. Neu eingesetzte Wurzeln sind in den ersten Monaten besonders anfällig, das legt sich nach der Auswaschungsphase.
Muss ich CO₂ zudosieren, um Bartalgen loszuwerden?
Nein. In Becken ohne CO₂-Anlage sind Bartalgen fast immer ein Problem der organischen Fracht und der Wasserwechselfrequenz. Eine CO₂-Anlage hilft indirekt, weil sie das Pflanzenwachstum ankurbelt, ist aber keine Voraussetzung für die Sanierung.
Kann ich die Algen einfach abzupfen?
Teilweise. Bei glatten Oberflächen funktioniert es, bei Wurzeln reißen die Fäden ab und der Haftfuß bleibt sitzen, sodass der Bewuchs nachwächst. Deshalb ist das Ausbauen und Behandeln außerhalb des Beckens wirksamer als das Zupfen im Wasser.
Wie lange dauert die Sanierung?
Bei konsequenter Filterwartung und wöchentlichem Wasserwechsel stoppt der Neuzuwachs nach etwa drei bis vier Wochen. Der vorhandene Bestand verschwindet über weitere sechs bis zehn Wochen, schneller wenn mechanisch nachgeholfen wird.
Schaden Bartalgen den Fischen?
Nein. Sie sind für den Besatz unbedenklich. Problematisch ist die Ursache, nicht die Alge: Eine dauerhaft hohe organische Belastung geht mit schlechter Wasserqualität einher, und die betrifft die Fische sehr wohl. Wenn das Wasser dabei auch noch eintrübt, hilft der Beitrag zu trübem Aquarienwasser bei der Einordnung.