Home Staging: Wie es die Verkaufsdauer verkürzt

Home Staging: Wie es die Verkaufsdauer verkürzt

Eine Wohnung steht drei Monate leer, der Preis wird zweimal gesenkt, und am Ende verkauft der Eigentümer unter Wert. Dieses Szenario ist keine Ausnahme, sondern alltägliche Realität auf vielen deutschen Immobilienmärkten. Home Staging setzt genau hier an: nicht als dekorative Spielerei, sondern als gezielte Verkaufsstrategie mit nachweisbarem Effekt auf die Zeit, die eine Immobilie auf dem Markt verbringt.

Was Home Staging konkret bedeutet

Home Staging bezeichnet die professionelle Aufbereitung einer Immobilie vor dem Verkauf. Das Ziel ist nicht, Mängel zu verstecken, sondern Potenziale sichtbar zu machen. Möbel werden umgestellt oder geliehen, Wände in neutralen Tönen gestrichen, persönliche Gegenstände entfernt. Der Interessent soll sich vorstellen können, wie er selbst in dem Raum leben würde, ohne von fremden Familienfotos oder einer Sammlung Porzellanfiguren abgelenkt zu werden.

Ein wichtiger Unterschied besteht zwischen dem Staging einer bewohnten und einer leeren Immobilie. Leere Räume wirken auf Fotos und bei Besichtigungen oft kleiner und kälter, als sie tatsächlich sind. Selbst einfache Maßnahmen wie das Einbringen eines Sofas, eines Teppichs und einiger Pflanzen verändern die Wahrnehmung erheblich. Bei bewohnten Objekten geht es vor allem darum, zu reduzieren und zu neutralisieren.

Zahlen, die für sich sprechen

Der Deutsche Verband der Home Stager (DVHS) hat in mehreren Erhebungen dokumentiert, dass professionell gestagete Immobilien im Schnitt 50 bis 78 Prozent kürzer auf dem Markt verbleiben als vergleichbare unstagestagete Objekte. In einer Auswertung aus dem Jahr 2022 lag die durchschnittliche Vermarktungsdauer gestageter Objekte bei 47 Tagen, während nicht aufbereitete Immobilien im Schnitt 112 Tage bis zur Einigung brauchten.

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Noch deutlicher wird der Effekt bei Premiumimmobilien. Ein Einfamilienhaus im Münchner Umland, das leer und unrenoviert angeboten wurde, fand nach vier Monaten keinen Käufer. Nach einem professionellen Staging mit gemieteten Möbeln und gezielter Lichtplanung war es innerhalb von drei Wochen verkauft, zu einem Preis 4,5 Prozent über dem ursprünglichen Angebot. Solche Fälle sind dokumentiert und reproduzierbar, sofern die Ausgangsbedingungen stimmen.

Warum Käufer schneller entscheiden

Kaufentscheidungen bei Immobilien fallen zu einem erheblichen Teil emotional. Studien aus der Verhaltensökonomie zeigen, dass Menschen innerhalb der ersten 90 Sekunden einer Besichtigung eine Grundstimmung entwickeln, die ihre gesamte weitere Bewertung beeinflusst. Home Staging zielt genau auf diesen Moment ab.

Wenn ein Raum aufgeräumt, hell und proportional möbliert ist, aktiviert das beim Besucher das sogenannte mentale Eigentumsgefühl. Der Interessent beginnt unbewusst, sich als Bewohner zu sehen, nicht als kritischen Prüfer. Das beschleunigt die Entscheidung und reduziert gleichzeitig die Verhandlungsbereitschaft nach unten, weil der emotionale Wert des Objekts höher wahrgenommen wird.

Hinzu kommt die Wirkung auf Onlinefotos. In Deutschland beginnen über 90 Prozent aller Immobiliensuchen im Internet. Professionell gestagete Räume erzielen in Portalen wie Immobilienscout24 oder Immonet nachweislich höhere Klickraten. Mehr Klicks bedeuten mehr Besichtigungsanfragen, was den Auswahlprozess beschleunigt und die Verhandlungsposition des Verkäufers stärkt.

Kosten und Aufwand im Verhältnis

Ein häufiges Gegenargument lautet, Home Staging sei zu teuer. Die Kosten variieren stark je nach Objekt und Umfang. Für eine 80-Quadratmeter-Wohnung bewegen sich die Ausgaben für ein professionelles Full-Staging inklusive Möbelverleih erfahrungsgemäß zwischen 2.000 und 5.000 Euro. Bei einem Verkaufspreis von 400.000 Euro entspricht das 0,5 bis 1,25 Prozent des Erlöses.

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Zum Vergleich: Jeder Monat, in dem die Immobilie unverkauft bleibt, verursacht Kosten. Laufende Nebenkosten, Zinsen auf etwaige Restschulden, entgangene Anlagerendite oder eine mögliche Preissenkung durch nachlassendes Käuferinteresse summieren sich schnell auf einen Betrag, der die Staging-Investition mehrfach übersteigt.

Wer in Münster oder anderen Städten mit lebhaftem Immobilienmarkt verkauft, sollte die Zusammenarbeit mit Fachleuten erwägen. Ein erfahrener Immobilienmakler Münster kann dabei helfen, Staging-Maßnahmen zielgruppengerecht auszuwählen und den richtigen Zeitpunkt für die Vermarktung zu bestimmen.

Was wirklich wirkt: Maßnahmen nach Priorität

Nicht alle Staging-Maßnahmen haben den gleichen Effekt. Folgende Eingriffe zeigen erfahrungsgemäß die stärkste Wirkung auf Besichtigungsqualität und Entscheidungsgeschwindigkeit:

  • Entrümpeln und Depersonalisieren: Der wirkungsvollste und günstigste Schritt. Persönliche Gegenstände, überschüssige Möbel und alles, was vom Raum ablenkt, wird entfernt.
  • Neutrales Streichen: Wandfarben in Weiß, Hellgrau oder Warmbeige kosten wenig, vergrößern Räume optisch und schaffen eine saubere Ausgangsbasis.
  • Licht optimieren: Glühbirnen tauschen, Vorhänge abhängen, Spiegel strategisch platzieren. Helle Räume wirken einladender und fotografieren besser.
  • Möblierung anpassen: Zu große Sofas oder Schränke werden ausgelagert, zu kleine Räume mit proportionalen Leihstücken aufgewertet.
  • Kleinreparaturen erledigen: Tropfende Armaturen, klemmende Türen oder abgeplatzte Fliesen erzeugen beim Käufer unbewusst das Gefühl, dass die Immobilie schlecht gepflegt ist.

Grenzen des Ansatzes

Home Staging ist kein Allheilmittel. Es kompensiert keine strukturellen Mängel, keine schlechte Lage und keinen überhöhten Angebotspreis. Eine Wohnung direkt an einer Hauptstraße mit veralteter Elektrik wird auch nach dem aufwendigsten Staging keine Premiumrendite erzielen. Der Ansatz entfaltet seine Wirkung am stärksten bei Objekten, die substanziell in Ordnung sind, aber im aktuellen Zustand nicht ihr volles Potenzial zeigen.

Ebenso gilt: Eine einmalige Staging-Maßnahme verliert an Wirkung, wenn die Immobilie danach monatelang auf dem Markt bleibt. Frische Blumen und ein ordentlich gemachtes Bett auf den Fotos sind nach vier Monaten noch dieselben Fotos, aber der Markt hat längst gemerkt, dass das Objekt nicht weggeht. Deshalb ist Staging am effektivsten, wenn es von Anfang an und mit einem realistischen Preis kombiniert wird.

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Wer diese Bedingungen erfüllt, hat gute Chancen, dass sein Objekt nicht zu den Statistiken gehört, die nach sechs Monaten mit Preisabschlag aus den Portalen verschwinden, sondern zu jenen, die schon nach wenigen Wochen einen unterschriebenen Kaufvertrag vorweisen.

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