Stromkosten senken: Was Haushalte wirklich sparen können

Stromkosten senken: Was Haushalte wirklich sparen können

Ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland verbraucht laut Umweltbundesamt rund 3.500 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Bei einem Arbeitspreis von 30 bis 35 Cent je Kilowattstunde, der in vielen Grundversorgungstarifen noch heute aufgerufen wird, summiert sich das schnell auf 1.200 Euro oder mehr. Dabei ist ein erheblicher Teil dieses Betrags vermeidbar, ohne dass man auf Heizung, Warmwasser oder moderne Haushaltsgeräte verzichten muss.

Wo der Strom wirklich bleibt

Viele Haushalte unterschätzen, wie viel Energie im Standby-Betrieb verbraucht wird. Fernseher, Spielekonsolen und Router ziehen im Dauerbetrieb teils 10 bis 20 Watt, rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Das ergibt bei einer Konsole mit 15 Watt Standby-Leistung gut 130 Kilowattstunden jährlich, also rund 40 Euro allein für das Warten auf die nächste Nutzung. Schaltbare Steckdosenleisten lösen das Problem für unter 15 Euro.

Größer ist der Posten beim Waschen und Trocknen. Ein Wäschetrockner der Energieeffizienzklasse D verbraucht pro Trockendurchgang durchschnittlich 4 bis 5 Kilowattstunden. Wer viermal pro Woche trocknet, zahlt dafür über 200 Euro im Jahr. Ein Gerät der Klasse A++ liegt bei etwa 1,5 Kilowattstunden pro Durchgang. Die Mehrinvestition beim Kauf amortisiert sich bei intensiver Nutzung innerhalb von drei bis vier Jahren.

Tarife: Das steckt hinter den Preisunterschieden

Der Preis für Haushaltsstrom setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen: dem eigentlichen Energiepreis, Netzentgelten, der Stromsteuer, der EEG-Umlage sowie Konzessionsabgaben. Die Netzentgelte variieren je nach Region erheblich, weil jede Netzgesellschaft ihre eigenen Kosten umlegt. Wer in einer städtischen Hochhaussiedlung wohnt, zahlt andere Netzpreise als ein Haushalt im ländlichen Raum. Dieser Teil des Preises ist nicht verhandelbar und gilt für alle Anbieter im jeweiligen Netzgebiet gleich.

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Was sich dagegen unterscheidet, ist der Anteil des Energielieferanten am Gesamtpreis sowie eventuelle Bonuszahlungen. Hier lohnt sich der Vergleich. Wer einen Stromvergleich durchführt, sollte dabei nicht nur auf den Grundpreis achten, sondern auch auf Vertragslaufzeit, Kündigungsfristen und die Frage, ob Neukundenrabatte einmalig oder dauerhaft gelten. Ein auf dem Papier günstiger Tarif mit 24 Monaten Mindestlaufzeit und einseitiger Preisanpassungsklausel kann sich schnell als Nachteil erweisen.

Smart Meter: Pflicht oder Chance?

Seit der Novellierung des Messstellenbetriebsgesetzes werden intelligente Stromzähler, sogenannte Smart Meter, schrittweise verpflichtend eingeführt. Ab einem Jahresverbrauch von 6.000 Kilowattstunden oder bei Betrieb einer Photovoltaikanlage ab 7 Kilowatt Leistung gilt der Einbau als vorgeschrieben. Kleinere Haushalte folgen nach einem gestaffelten Zeitplan.

Was viele nicht wissen: Smart Meter bieten über die Pflichtfunktion hinaus echte Vorteile. Zeitvariable Tarife, bei denen Strom nachts oder an sonnenreichen Tagen günstiger ist, lassen sich nur mit einem Smart Meter nutzen. Wer eine Wärmepumpe, ein Elektroauto oder eine Heimspeicherlösung betreibt, kann durch gezieltes Laden in günstigen Zeitfenstern mehrere hundert Euro jährlich einsparen. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme geht bei Vollauslastung dieser Möglichkeiten von Einsparpotenzialen zwischen 150 und 400 Euro pro Jahr aus.

Photovoltaik: Rechnet sich das für Mieter?

Steckersolargeräte, auch Balkonkraftwerke genannt, haben in den vergangenen zwei Jahren einen deutlichen Preisverfall erlebt. Module mit 600 bis 800 Watt Spitzenleistung sind für 300 bis 600 Euro erhältlich. Bei einem sonnigen Balkon in Südausrichtung lassen sich damit im Jahr 400 bis 600 Kilowattstunden selbst erzeugen. Das entspricht einer Ersparnis von 120 bis 180 Euro, je nach aktuellem Tarif. Die Amortisationszeit liegt damit zwischen zwei und vier Jahren.

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Rechtlich ist die Nutzung seit der Änderung im Wohnungseigentumsgesetz 2024 deutlich einfacher geworden. Mieter haben unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch auf Genehmigung durch den Vermieter. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, findet auf den Seiten des Bundesnetzagentur aktuelle Informationen zur Anmeldepflicht und den technischen Anforderungen an Steckersolargeräte.

Förderung gezielt nutzen

Wer größere Investitionen plant, ob neue Wärmepumpe, Dämmung oder Heimspeicher, sollte den Förderdschungel nicht unterschätzen. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) wird über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle abgewickelt und deckt je nach Maßnahme 15 bis 35 Prozent der Investitionskosten ab. Bei einer Wärmepumpe für 18.000 Euro bedeutet das eine Förderung von bis zu 6.300 Euro. Zusätzlich können Länder und Kommunen eigene Programme anbieten, die sich kumulieren lassen.

  • Wärmepumpe: Bundesförderung BEG bis 35 Prozent, Einkommensboni möglich
  • Photovoltaik mit Speicher: KfW-Programm 270, zinsgünstige Darlehen
  • Balkonkraftwerk: einige Kommunen zahlen 100 bis 200 Euro Zuschuss
  • Energieberatung: Erstberatung über Verbraucherzentralen teils kostenlos

Der einfachste erste Schritt

Vor jeder Investition steht die Bestandsaufnahme. Wer seinen aktuellen Jahresverbrauch kennt und ihn mit dem Bundesdurchschnitt vergleicht, sieht schnell, wo Einsparpotenzial liegt. Die eigene Jahresabrechnung liefert alle nötigen Zahlen. Liegt der Verbrauch eines Zweipersonenhaushalts über 2.500 Kilowattstunden, lohnt sich zunächst eine genaue Analyse der größten Verbraucher, bevor Geld in neue Technik fließt.

Parallel dazu dauert ein Tarifwechsel im Schnitt vier bis sechs Wochen und ist mit wenigen Klicks erledigt. Die neue Versorgung beginnt ohne Unterbrechung, der bisherige Anbieter muss nicht extra gekündigt werden. Das übernimmt der neue Versorger. Wer diesen Schritt lange vor sich hergeschoben hat, verliert real Geld, Monat für Monat.

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