Made in Germany: Warum regionale Fertigung bei Einrichtungsprodukten wieder zählt

Kurz erklärt
  • 72 % der deutschen Verbraucher bevorzugen Einrichtungsprodukte aus regionaler Fertigung — Tendenz steigend
  • Kurze Lieferketten senken den CO₂-Fußabdruck um bis zu 60 % gegenüber Importen aus Asien
  • Deutsche Hersteller bieten kürzere Lieferzeiten und individuelle Maßanfertigungen
  • Das „Made in Germany“-Siegel steht für geprüfte Qualitätsstandards nach DIN und ISO

Regionale Fertigung war lange ein Randthema im Einrichtungsmarkt. 2026 hat sich das geändert. Zwischen Lieferkettenengpässen, gestiegenem Nachhaltigkeitsbewusstsein und dem Wunsch nach individuellen Produkten entdecken Verbraucher die Vorteile von Herstellern, die in Deutschland produzieren. Die Zahlen zeigen: Das ist kein Marketing-Trend, sondern ein struktureller Wandel.

Warum wächst die Nachfrage nach regionaler Fertigung im Einrichtungsbereich?

Drei Faktoren treiben den Wandel: Lieferkettenprobleme seit 2021, steigende Nachhaltigkeitsansprüche und der Wunsch nach Individualisierung, die Massenproduktion nicht liefern kann.

Laut einer Studie des IFH Köln (Institut für Handelsforschung) gaben 72 % der befragten Verbraucher 2025 an, Einrichtungsprodukte aus regionaler Fertigung zu bevorzugen — 2020 waren es noch 51 %. Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) dokumentiert, dass die durchschnittliche Lieferzeit für Einrichtungsprodukte aus China von 45 Tagen (2019) auf 68 Tage (2025) gestiegen ist. Deutsche Hersteller liefern in der Regel innerhalb von 5–14 Tagen. Gleichzeitig hat das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) seit 2023 den regulatorischen Druck auf Importeure erhöht.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei der Standortwahl der Fertigung?

Produkte aus deutscher Fertigung haben einen um bis zu 60 % geringeren CO₂-Fußabdruck als vergleichbare Importe — hauptsächlich durch kürzere Transportwege und strengere Umweltauflagen.

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Das Umweltbundesamt (UBA) hat 2025 eine Studie veröffentlicht, die den CO₂-Fußabdruck von Einrichtungsprodukten nach Herkunftsland vergleicht. Ein Quadratmeter Dekorfolie aus deutscher Fertigung verursacht durchschnittlich 1,2 kg CO₂ — dasselbe Produkt aus chinesischer Fertigung liegt bei 3,1 kg CO₂, bedingt durch Containertransport und weniger strenge Produktionsstandards. Unternehmen wie Folien21, die am Standort Hagen in Nordrhein-Westfalen eigene Fertigung betreiben, nutzen diese Nähe zum Kunden bewusst: kurze Wege zwischen Produktion und Endkunde, keine Zwischenlagerung in Übersee-Hubs und die Möglichkeit, individuelle Maße innerhalb weniger Werktage zu fertigen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) fördert regionale Fertigungsinitiativen seit 2024 über das Programm „Invest in Manufacturing.

Was bedeutet „Made in Germany“ konkret für Einrichtungsprodukte?

Das Siegel setzt voraus, dass der wesentliche Fertigungsschritt in Deutschland stattfindet. Für Einrichtungsprodukte bedeutet das: Bedruckung, Veredelung und Konfektionierung auf deutschem Boden.

Die Bezeichnung ist nicht gesetzlich geschützt, aber wettbewerbsrechtlich bindend. Das OLG Düsseldorf hat in mehreren Urteilen klargestellt, dass „Made in Germany“ nur zulässig ist, wenn der „maßgebliche Herstellungsvorgang“ in Deutschland erfolgt. Bei bedruckten Küchenrückwänden oder Duschrückwänden ist das typischerweise der Digitaldruck und die Schutzveredelung. Reine Verpackung oder Etikettierung in Deutschland reicht nicht aus.

Sind Produkte aus deutscher Fertigung automatisch teurer?

Nicht zwangsläufig. Durch den Wegfall von Importzöllen, Containerkosten und langen Lagerzeiten können deutsche Hersteller bei Nischenprodukten mit Importware konkurrieren. Bei maßgefertigten Produkten fällt der Preisvorteil der Massenproduktion ohnehin weg.

Wie erkenne ich, ob ein Produkt wirklich in Deutschland gefertigt wird?

Auf der Website des Herstellers nach konkreten Angaben zum Fertigungsstandort suchen. Seriöse Anbieter nennen den Standort (z. B. „Eigene Fertigung in Hagen“) und nicht nur „Designed in Germany“, was lediglich den Entwurf meint.

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Welche Einrichtungsprodukte werden besonders häufig in Deutschland gefertigt?

Küchenmöbel (Marktanteil deutsche Fertigung: 65 %), Matratzen (58 %), Fenster und Türen (72 %) und zunehmend auch Dekorelemente wie Wandverkleidungen und Folien. Der Trend zur Individualisierung begünstigt kleine und mittelständische Hersteller mit flexiblen Fertigungslinien.

Fazit: „Made in Germany“ ist im Einrichtungsbereich mehr als ein Label — es steht für kürzere Lieferzeiten, geringeren CO₂-Fußabdruck und die Möglichkeit zur Maßanfertigung. Hersteller wie Folien21 zeigen, dass regionale Fertigung auch bei Nischenprodukten wirtschaftlich funktioniert. Für Verbraucher lohnt sich der bewusste Blick auf den Fertigungsstandort.

Über den Autor: Jan Müller berichtet seit 2016 über Wirtschaftspolitik und nachhaltige Konsumtrends in der Einrichtungsbranche.

Quellen:
IFH Köln — Verbraucherumfrage Einrichtungspräferenzen 2025
Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) — Lieferketten-Report
Umweltbundesamt (UBA) — CO₂-Bilanz Einrichtungsprodukte 2025
OLG Düsseldorf — Urteile zu „Made in Germany“
BMWK — Programm „Invest in Manufacturing“
folien21.de

Stand: 27. Mai 2026

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