Die kurze Antwort auf die Frage „Wo ist der Blinddarm?“: im rechten Unterbauch, dort, wo der Dünndarm in den Dickdarm mündet. Der Blinddarm ist der erste Abschnitt des Dickdarms. An seinem unteren Ende hängt ein dünner, schlauchförmiger Anhang: der Wurmfortsatz.
Genau diesen Wurmfortsatz meinen viele, wenn sie vom „Blinddarm“ sprechen. Auch bei einer Blinddarmentzündung ist nicht der Blinddarm selbst entzündet, sondern der Wurmfortsatz. Deshalb ist der Blinddarm nach einer „Blinddarm-OP“ in der Regel noch im Körper.
Wo ist der Blinddarm genau?
Stell dir den Bauch in vier Felder geteilt vor, mit dem Bauchnabel als Mittelpunkt. Der Blinddarm liegt im Feld rechts unten, also unterhalb des Nabels auf der rechten Körperseite. „Rechts“ ist dabei von der betroffenen Person aus gesehen gemeint, nicht vom Gegenüber.
Die Lage ergibt sich aus dem Verlauf des Darms. Der Dünndarm endet im rechten Unterbauch und mündet seitlich in den Dickdarm. Unterhalb dieser Einmündung reicht der Dickdarm noch ein kurzes Stück nach unten und endet dort wie ein Sack, ohne Ausgang. Dieses blind endende Stück ist der Blinddarm. Oberhalb der Einmündung steigt der Dickdarm an der rechten Bauchseite nach oben.
Der Wurmfortsatz geht vom Blinddarm ab, nicht weit von der Stelle, an der der Dünndarm mündet. Nach der anatomischen Übersicht von StatPearls ist er im Durchschnitt etwa 9 Zentimeter lang, die Länge schwankt aber deutlich von Mensch zu Mensch.
Blinddarm oder Wurmfortsatz: Was ist was?
Im Alltag werden beide Begriffe oft gleichgesetzt. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) weist darauf hin, dass mit „Blinddarm“ umgangssprachlich häufig der Wurmfortsatz gemeint ist. Fachlich sind es zwei verschiedene Teile:
| Blinddarm | Wurmfortsatz |
|---|---|
| Fachbegriff: Zäkum (Caecum) | Fachbegriff: Appendix |
| Erster Abschnitt des Dickdarms, unten blind endend | Dünner Schlauch, der am Blinddarm hängt |
| Liegt meist im rechten Unterbauch | Die Spitze zeigt je nach Mensch in eine andere Richtung |
| Bei einer „Blinddarmentzündung“ nicht der entzündete Teil | Bei einer „Blinddarmentzündung“ entzündet (Appendizitis) |
| Bleibt bei der üblichen „Blinddarm-OP“ erhalten | Wird bei der „Blinddarm-OP“ entfernt (Appendektomie) |
Ohne Wurmfortsatz lässt es sich normal leben. Er hat möglicherweise eine Aufgabe im Immunsystem, gilt laut MSD Manual aber nicht als lebensnotwendig.
Die Lage des Wurmfortsatzes ist nicht bei allen gleich
Der Blinddarm sitzt bei den meisten Menschen im rechten Unterbauch, die Spitze des Wurmfortsatzes zeigt aber nicht immer in dieselbe Richtung. Am häufigsten liegt er laut StatPearls hinter dem Blinddarm, also Richtung Rücken. Seltener ragt er ins Becken, liegt unterhalb des Blinddarms oder vor oder hinter dem Ende des Dünndarms.
In der Schwangerschaft schiebt die wachsende Gebärmutter den Wurmfortsatz nach oben. Laut StatPearls kann in der späteren Schwangerschaft eine Entzündung deshalb eher im rechten Oberbauch wehtun.
Warum die Lage allein Bauchschmerzen nicht sicher einordnet
Die Faustregel „Schmerz rechts unten heißt Blinddarm“ greift in beide Richtungen zu kurz.
Zum einen beginnt eine Blinddarmentzündung oft nicht rechts unten. Nach gesund.bund.de setzen die Schmerzen meist im Oberbauch oder um den Nabel ein und wandern im Lauf einiger Stunden häufig in den rechten Unterbauch. Bei Kindern können die Schmerzen im ganzen Bauch sitzen, bei Schwangeren weiter oben. Kinder und ältere Menschen haben laut gesund.bund.de manchmal nur milde Beschwerden, obwohl bei ihnen häufiger Komplikationen auftreten.
Zum anderen können Schmerzen im rechten Unterbauch viele andere Ursachen haben, etwa im Darm, in den Harnwegen oder bei Frauen an Eierstock und Eileiter, bis hin zu einer Eileiterschwangerschaft. Das MSD Manual beschreibt die Stelle des Schmerzes in seinem Beitrag zu akuten Bauchschmerzen deshalb nur als Anhaltspunkt.
Eine Blinddarmentzündung lässt sich zu Hause daher weder sicher erkennen noch sicher ausschließen. Ärztinnen und Ärzte klären das mit Gespräch, Untersuchung, Blutwerten und bei Bedarf Ultraschall oder Computertomografie.
Wann Bauchschmerzen ärztlich abgeklärt werden sollten
Ein entzündeter Wurmfortsatz kann durchbrechen, und das kann lebensbedrohlich werden. Anhaltende oder stärker werdende Bauchschmerzen sollten deshalb ärztlich abgeklärt werden, statt abzuwarten, ob sie von selbst vergehen. Wie dringend es ist, hängt von den Beschwerden ab:
Ärztlich abklären lassen: Bauchschmerzen, die über einige Stunden anhalten, sollten laut gesund.bund.de ärztlich untersucht werden. Das ist keine Frist zum Abwarten: Werden die Schmerzen stärker oder wandern sie nach rechts unten, lass sie gleich ansehen. Erste Anlaufstelle ist die Arztpraxis. Ist sie geschlossen und kann die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117. Das Bundesgesundheitsministerium nennt akute Bauchschmerzen ausdrücklich als Beispiel für diese Nummer. Weil die Beschwerden bei Kindern, Schwangeren und älteren Menschen täuschen können, ist bei ihnen eine frühe Abklärung besonders sinnvoll.
Sofort handeln: Heftige Bauchschmerzen müssen sofort ärztlich beurteilt werden. Der britische Gesundheitsdienst NHS rät in diesem Fall zum Notruf, in Deutschland ist das die 112. Auch eine harte Bauchdecke oder eine gekrümmte Schonhaltung wegen der Schmerzen ist ein Grund zur Eile: Laut gesund.bund.de kann das auf einen Durchbruch hinweisen, der sofort im Krankenhaus behandelt werden muss. Fahr in diesem Zustand nicht selbst.
Notruf 112 ohne Umweg: Wirkt die Lage lebensbedrohlich, ruf direkt die 112, statt zuerst eine Fahrt zu organisieren. Die 112 ist laut Bundesgesundheitsministerium genau für lebensbedrohliche Situationen gedacht. Bei Bauchschmerzen gehören dazu Verwirrtheit, Atemnot, Benommenheit, Blässe oder fleckige Haut und ein schneller Puls. Diese Zeichen nennen gesund.bund.de und der NHS. Sie können darauf hindeuten, dass der Kreislauf versagt oder sich eine Blutvergiftung entwickelt.
Frühere Fassung veröffentlicht am 17.01.2024. Redaktionell vollständig überarbeitet im Oktober 2026.