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Aquarium Unterschrank bauen: Statik, Material, Maße

Ein Aquarienunterschrank ist kein Möbelstück, sondern ein Traggestell. Ein 240-Liter-Becken bringt mit Bodengrund, Dekoration und Technik rund 320 Kilogramm auf eine Fläche von etwa einem halben Quadratmeter. Das ist mehr, als handelsübliche Wohnzimmermöbel tragen, und es steht dort jahrelang ohne Unterbrechung. Deshalb beginnt der Selbstbau mit der Statik und nicht mit der Optik.

Gewicht ermitteln

Die Rechnung setzt sich aus vier Posten zusammen: das Wasser mit einem Kilogramm pro Liter, der Bodengrund mit etwa 1,5 Kilogramm pro Liter Substrat, das leere Becken und die Dekoration.

Becken Wasser Bodengrund (5 cm) Glasbecken leer Deko und Technik Gesamt
60 × 30 × 30 (54 l) ca. 48 kg ca. 13 kg ca. 12 kg ca. 5 kg ca. 78 kg
80 × 35 × 40 (112 l) ca. 100 kg ca. 21 kg ca. 22 kg ca. 8 kg ca. 151 kg
100 × 40 × 45 (180 l) ca. 162 kg ca. 30 kg ca. 35 kg ca. 12 kg ca. 239 kg
120 × 50 × 50 (300 l) ca. 270 kg ca. 45 kg ca. 60 kg ca. 20 kg ca. 395 kg
150 × 50 × 60 (450 l) ca. 405 kg ca. 56 kg ca. 95 kg ca. 25 kg ca. 581 kg

Auf diese Zahl kommt ein Sicherheitszuschlag. Üblich ist der Faktor zwei, das heißt der Unterbau sollte rechnerisch das Doppelte tragen können. Bei einem 300-Liter-Becken plant man also für 800 Kilogramm.

Ein zweiter Punkt wird oft übersehen: die Flächenlast auf den Fußboden. 395 Kilogramm auf einer Stellfläche von 120 × 50 Zentimetern ergeben rund 660 Kilogramm pro Quadratmeter. In Altbauten mit Holzbalkendecken ist das ein Fall für eine Einschätzung vor Ort, vor allem wenn das Becken quer zur Balkenrichtung und mitten im Raum stehen soll. An einer tragenden Wand und längs zu den Balken ist die Situation deutlich günstiger.

Material

Material Eignung Stärke Anmerkung
Multiplex Birke sehr gut 18–21 mm formstabil, feuchtebeständiger als Span, gut verschraubbar
Konstruktionsvollholz Fichte 60 × 80 mm sehr gut für Rahmenkonstruktionen, sehr tragfähig, günstig
Siebdruckplatte gut 18–21 mm oberflächenversiegelt, sehr feuchtebeständig, optisch nüchtern
Leimholz Buche oder Eiche gut 27–40 mm schwer, teuer, arbeitet bei Feuchtewechsel
Spanplatte roh ungeeignet quillt bei Nässe irreversibel auf, verliert dabei die Tragfähigkeit
MDF ungeeignet saugt Wasser, quillt, neigt zum Durchhängen unter Dauerlast

Zwei Bauweisen

Rahmenkonstruktion

Ein Gestell aus Kanthölzern, das die Last über senkrechte Pfosten in den Boden leitet, verkleidet mit dünnerem Plattenmaterial. Diese Bauweise trägt am meisten und ist am wenigsten anfällig für Durchbiegung, weil die Last direkt in die Pfosten geht und nicht über Plattenflächen wandert.

Regel für die Pfostenabstände: alle 50 bis 60 Zentimeter ein senkrechter Pfosten. Bei einem 120er Becken also vier Stück, an den Ecken und zweimal in der Mitte. Der obere Rahmen läuft umlaufend und liegt bündig auf allen Pfosten auf.

Korpusbauweise

Ein geschlossener Kasten aus 18 bis 21 Millimeter Multiplex mit Seitenwänden, Boden, Deckplatte und mindestens einer Mittelwand. Optisch sauberer, einfacher zu bauen, wenn eine Tischkreissäge oder ein Zuschnitt im Baumarkt zur Verfügung steht.

Entscheidend ist hier die Mittelwand. Eine Deckplatte aus 21 Millimeter Multiplex mit einer freien Spannweite von 120 Zentimetern biegt sich unter 400 Kilogramm messbar durch. Mit einer Mittelwand halbiert sich die Spannweite, und die Durchbiegung sinkt überproportional. Ab 100 Zentimetern Beckenlänge gehört eine Mittelwand hinein, ab 150 Zentimetern zwei.

Die Auflagefläche

Hier entstehen die meisten Schäden. Ein Aquarium darf nicht punktuell aufliegen, sonst entstehen Spannungen im Glas, die zum Bruch führen können, oft erst nach Monaten.

  • Becken mit umlaufendem Kunststoffrahmen liegen konstruktionsbedingt nur auf dem Rahmen auf. Sie brauchen eine plane Auflage an den Rändern, aber keine durchgehende Matte. Eine Styropormatte darunter ist hier nicht nötig und kann sogar stören, weil sie ungleichmäßig nachgibt.
  • Rahmenlose Becken liegen mit der gesamten Bodenscheibe auf. Sie brauchen zwingend eine dämpfende Unterlage, üblicherweise eine Styropor- oder Neoprenmatte von 5 bis 10 Millimetern, die kleine Unebenheiten ausgleicht.
  • Die Deckplatte muss plan sein. Mit einer langen Wasserwaage oder einem Aluprofil prüfen. Abweichungen über einen Millimeter auf die Beckenlänge sind zu viel.
  • Keine Krümel, keine Sandkörner unter dem Becken. Ein einzelnes hartes Korn erzeugt genau die Punktlast, die man vermeiden will.

Maße

Maß Empfehlung Grund
Höhe 70–80 cm bequeme Arbeitshöhe; bei hohen Becken eher 70, sonst wird der Beckenrand unerreichbar
Tiefe Beckentiefe + 0 bis 2 cm Becken darf nicht überstehen; mehr Überstand kostet nur Raum
Breite Beckenlänge + 0 bis 4 cm Becken bündig oder leicht eingerückt
Innenhöhe mind. Filterhöhe + 15 cm Außenfilter muss zum Warten herausnehmbar sein
Rückwand Aussparung 10 × 10 cm für Schläuche und Kabel, verhindert Knicke

Feuchteschutz

Wasser landet im Unterschrank, das ist keine Frage des Ob. Beim Wasserwechsel tropft es, Schläuche werden abgezogen, gelegentlich läuft ein Eimer über.

Drei Maßnahmen haben sich bewährt: alle Kanten und Flächen mindestens zweimal lackieren oder ölen, besonders die Schnittkanten, die am stärksten saugen. Den Innenboden mit einer Teichfolie oder einer flachen Kunststoffwanne auslegen, mit einigen Zentimetern Rand nach oben. Und die Deckplatte mit einem Randabschluss versehen, damit Wasser nicht direkt an der Vorderkante herunterläuft.

Aufstellen und Ausrichten

Der Schrank wird leer an den endgültigen Platz gestellt und dort ausgerichtet, danach lässt er sich nicht mehr bewegen. Mit einer Wasserwaage in beiden Richtungen prüfen und über Unterlegscheiben oder verstellbare Möbelfüße ausgleichen.

Wichtig ist, dass alle Auflagepunkte tragen. Ein Schrank, der auf drei von vier Füßen steht und beim vierten Luft hat, verwindet sich unter Last. Bei Rahmenkonstruktionen sollten alle Pfosten Bodenkontakt haben, nicht nur die Eckpfosten.

Nach dem Befüllen setzt sich die Konstruktion. Nach einer Woche noch einmal nachmessen und gegebenenfalls nachjustieren, allerdings nur bei leerem oder teilentleertem Becken.

Praxisbeispiel

Ein 120 × 50 × 50 Becken mit 300 Litern, Gesamtgewicht rund 395 Kilogramm, geplant für ein Wohnzimmer im Erdgeschoss mit Betondecke.

Gewählt wurde die Korpusbauweise aus 21 Millimeter Multiplex Birke mit einer Mittelwand. Außenmaße 124 × 52 × 75 Zentimeter. Deckplatte und Boden durchgehend, zwei Seitenwände und eine Mittelwand dazwischen, Rückwand aus 12 Millimeter Multiplex vollflächig eingeleimt und verschraubt, weil sie die Verwindungssteifigkeit übernimmt. Aussparung von 12 × 10 Zentimetern rechts oben in der Rückwand für Schläuche.

Alle Teile zweimal mit Parkettlack behandelt, Schnittkanten dreimal. Innenboden mit einer Kunststoffwanne von 5 Zentimetern Rand ausgelegt. Das Becken hat einen umlaufenden Rahmen, also keine Matte, dafür wurde die Deckplatte mit einem 130 Zentimeter langen Aluprofil auf Planheit geprüft. Nach dem Befüllen betrug die gemessene Durchbiegung in der Mitte unter einem halben Millimeter.

Häufige Fragen

Kann ich ein vorhandenes Sideboard verwenden?

Nur nach Prüfung. Entscheidend sind drei Punkte: durchgehende senkrechte Tragelemente oder Mittelwände unter der Deckplatte, eine Deckplatte von mindestens 18 Millimetern in einem feuchtebeständigen Material, und eine plane Oberfläche. Die meisten Möbel im Flatpack-Segment erfüllen keinen dieser Punkte, weil sie aus dünner beschichteter Spanplatte mit Hohlraumkonstruktion bestehen.

Brauche ich eine Styroporplatte unter dem Becken?

Bei rahmenlosen Becken ja, bei Becken mit umlaufendem Kunststoffrahmen nein. Im Zweifel gibt der Beckenhersteller eine Vorgabe, und die hat Vorrang, weil davon oft die Gewährleistung abhängt.

Wie viel Durchbiegung ist zulässig?

Als praktische Grenze gilt ein Millimeter auf einen Meter Spannweite. Sichtbare Durchbiegung ist immer zu viel. Wer unsicher ist, baut eine zusätzliche Mittelwand ein, das kostet wenig und behebt das Problem zuverlässig.

Sollte der Schrank an der Wand befestigt werden?

Bei hohen, schmalen Konstruktionen sinnvoll, weil sie kippgefährdet sind. Bei niedrigen Schränken mit großer Standfläche nicht nötig. Wenn Kinder im Haushalt leben, spricht in beiden Fällen etwas für eine Kippsicherung.

Wie viel kostet der Selbstbau?

Für ein 120er Becken liegen die Materialkosten bei Multiplex Birke je nach Bezugsquelle grob zwischen 150 und 250 Euro, plus Lack, Beschläge und Wanne. Das ist meist günstiger als ein passender Fertigschrank und deutlich tragfähiger als das, was in dieser Preisklasse angeboten wird.

Wie tief soll der Bodengrund werden, damit die Rechnung stimmt?

Die Gewichtstabelle oben rechnet mit fünf Zentimetern. Wer höher aufbaut, addiert pro zusätzlichem Zentimeter etwa 0,75 Kilogramm pro 100 Quadratzentimeter Grundfläche. Die genaue Mengenberechnung steht im Beitrag zum Aufbau des Bodengrunds.

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