Wie viel Licht ein Aquarium braucht, lässt sich nicht an der Wattzahl ablesen und auch nicht an der Literzahl allein. Entscheidend sind die Lichtmenge an der Wasseroberfläche, die Wassertiefe und der Anspruch der Bepflanzung. Der Rechner unten setzt diese drei Größen zusammen, darunter steht, wie die Werte zustande kommen.
Passend dazu der Rechner für den CO₂-Gehalt aus pH und KH.
Rechner
Warum Watt pro Liter nicht mehr funktioniert
Die alte Faustregel von 0,5 bis 1 Watt pro Liter stammt aus der Zeit der Leuchtstoffröhren. Sie funktionierte, weil damals alle Röhren eine ähnliche Lichtausbeute hatten und die Wattzahl damit indirekt die Lichtmenge angab.
Bei LED ist das hinfällig. Die Lichtausbeute reicht je nach Modell von etwa 70 bis über 150 Lumen pro Watt. Eine 20-Watt-LED kann also je nach Bauart so viel Licht liefern wie eine andere mit 40 Watt. Der einzige belastbare Vergleichswert ist die Lumenangabe des Herstellers, und wo diese fehlt, ist Vorsicht angebracht.
| Leuchtmittel | Typische Lichtausbeute | Watt für 3.000 Lumen |
|---|---|---|
| T8-Leuchtstoffröhre | 60–70 lm/W | ca. 45 W |
| T5-Leuchtstoffröhre | 80–95 lm/W | ca. 34 W |
| LED, einfache Aufsatzleuchte | 70–100 lm/W | ca. 35 W |
| LED, hochwertige Aquarienleuchte | 110–150 lm/W | ca. 23 W |
Die Zielwerte im Detail
| Bepflanzung | Lumen pro Liter | Beispiele | CO₂ |
|---|---|---|---|
| Schwachzehrer | 20–30 | Anubias, Javafarn, Moose, Cryptocorynen, Wasserpest | nicht nötig |
| Mittlerer Bedarf | 30–50 | Vallisnerien, Echinodorus, die meisten Stängelpflanzen | empfehlenswert |
| Starkzehrer | 50–70 | Bodendecker wie Glossostigma, Rotpflanzen, dichte Aquascapes | erforderlich |
Der Wert bezieht sich auf das Nettovolumen, also das tatsächliche Wasservolumen nach Abzug von Bodengrund und Dekoration. Als Näherung rechnet man mit 90 Prozent des Bruttovolumens.
Die Wassertiefe ist der unterschätzte Faktor
Licht wird im Wasser mit zunehmender Tiefe abgeschwächt. Das ist der Grund, warum ein flaches 60-Liter-Becken mit derselben Lampe mehr Licht am Boden hat als ein hohes 60-Liter-Becken.
| Wasserhöhe | Zuschlag | Praktische Folge |
|---|---|---|
| bis 45 cm | kein Zuschlag | Standardfall, Bodendecker funktionieren |
| 45–55 cm | +15 % | Bodendecker brauchen deutlich mehr Licht |
| über 55 cm | +30 % | Bodendecker nur mit starker Beleuchtung, sonst Schattenpflanzen wählen |
Bei hohen Becken ist es oft sinnvoller, die Bepflanzung anzupassen als die Lampe hochzurüsten. Eine sehr starke Leuchte über einem tiefen Becken belichtet die oberen Pflanzenteile über und die unteren immer noch knapp.
Was der Rechner nicht abbildet
- Abstrahlwinkel und Ausleuchtung. Eine Leuchte, die nur die mittleren 60 Zentimeter eines 120er-Beckens ausleuchtet, liefert an den Rändern zu wenig, auch wenn die Gesamtlumen stimmen.
- Abdeckscheibe. Sie kostet je nach Verschmutzung und Kalkbelag 10 bis 20 Prozent. Regelmäßiges Reinigen ist die günstigste Lichtsteigerung, die es gibt.
- Wasserfärbung. Ein durch Huminstoffe gelb gefärbtes Becken schluckt spürbar Licht, siehe Seemandelbaumblätter.
- Schwimmpflanzen. Eine geschlossene Decke aus Muschelblume oder Froschbiss reduziert das Licht darunter drastisch.
- Alterung. LED-Module verlieren über Jahre an Ausbeute. Nach vier bis sechs Jahren Dauerbetrieb ist ein spürbarer Rückgang normal.
Praxisbeispiel
Ein Becken mit 120 × 50 × 60 Zentimetern, also 360 Liter brutto und rund 324 Liter netto, geplant mit Bodendeckern und CO₂. Wassertiefe 55 Zentimeter nach Abzug des Bodengrunds und des Randabstands.
Zielwert Starkzehrer 60 Lumen pro Liter, wegen der Tiefe mit Zuschlag von 30 Prozent also 78. Bei 324 Litern Netto ergibt das rund 25.000 Lumen. Das entspricht bei einer effizienten LED etwa 200 bis 230 Watt und liegt deutlich über dem, was Aufsatzleuchten dieser Beckenklasse liefern. Die Konsequenz war, den Plan zu ändern: statt Bodendeckern kamen mittelhohe Stängelpflanzen ins Becken, Zielwert 40 mal 1,3 gleich 52 Lumen pro Liter, also rund 17.000 Lumen. Das ließ sich mit zwei Hängeleuchten abdecken.
Häufige Fragen
Warum rechnet der Rechner mit Nettovolumen?
Weil Bodengrund und Dekoration einen erheblichen Teil des Beckens ausfüllen. Bei sieben Zentimetern Bodengrund in einem 100 × 40er Becken sind das allein 28 Liter. Rechnet man mit Brutto, kommt man auf eine zu hohe Lumenzahl.
Wie zuverlässig sind Lumenangaben der Hersteller?
Bei etablierten Aquarienherstellern brauchbar, bei No-Name-Leuchten oft optimistisch. Manche geben den theoretischen Wert der verbauten Chips an statt der gemessenen Systemleistung. Im Zweifel 15 bis 20 Prozent abziehen.
Ist PAR nicht der bessere Maßstab als Lumen?
Fachlich ja. Lumen ist auf die Helligkeitsempfindung des menschlichen Auges normiert und gewichtet Grün stark, obwohl Pflanzen es kaum nutzen. PAR misst die photosynthetisch nutzbare Strahlung direkt. Das Problem ist die Praxis: PAR-Werte geben die wenigsten Hersteller an, und ein Messgerät kostet mehr als die meisten Leuchten. Solange man Leuchten derselben Bauart vergleicht, ist Lumen eine brauchbare Näherung.
Kann ich zu viel Licht haben?
Ja, und das ist häufiger als zu wenig. Überschüssiges Licht, das die Pflanzen mangels CO₂ oder Nährstoffen nicht verwerten, geht an Algen. Wer die berechnete Lumenzahl deutlich überschreitet, braucht entsprechend Dünger und CO₂, sonst ist die stärkere Leuchte ein Nachteil.
Zwei kleine Leuchten oder eine große?
Bei Becken ab etwa 100 Zentimetern Länge sind zwei Einheiten meist besser, weil sie gleichmäßiger ausleuchten und Schattenzonen an den Enden vermeiden. Bei kürzeren Becken reicht eine, sofern der Abstrahlwinkel zur Beckenlänge passt.
Wie lange soll die Lampe laufen?
Die Dauer ergibt sich aus der Intensität, nicht umgekehrt. Details dazu stehen im Beitrag zur Beleuchtungsdauer im Aquarium.