Die Beleuchtungsdauer ist die am häufigsten falsch eingestellte Größe im Aquarium, und zwar meist nach oben. Der Gedanke dahinter ist verständlich: mehr Licht, mehr Pflanzenwachstum. Tatsächlich ist es umgekehrt. Über einen bestimmten Punkt hinaus wächst nicht die Pflanze schneller, sondern die Alge.
Zur Abstimmung von Licht und CO₂ siehe CO₂ im Aquarium.
Der Richtwert
Für ein normal bepflanztes Süßwasserbecken sind acht bis zehn Stunden am Stück richtig. Das entspricht ungefähr der Tageslänge in den Herkunftsgebieten der meisten Aquarienpflanzen, die in Äquatornähe liegen und dort ganzjährig bei etwa zwölf Stunden Helligkeit stehen, davon aber nur einen Teil in voller Intensität.
| Beckentyp | Dauer | Begründung |
|---|---|---|
| Neu eingerichtet, erste 4 Wochen | 6 Stunden | Pflanzen wachsen noch nicht, überschüssiges Licht geht an Algen |
| Anspruchslos bepflanzt, ohne CO₂ | 8 Stunden | Wachstum ist ohnehin durch CO₂ begrenzt |
| Dicht bepflanzt mit CO₂ | 9–10 Stunden | Pflanzen können die Lichtmenge tatsächlich verwerten |
| Aquascape mit hohem Lichtbedarf | 8–9 Stunden | hohe Intensität, dafür kürzer, sonst Algendruck |
| Reines Anubias- und Moosbecken | 6–8 Stunden | Schattenpflanzen, mehr bringt nur Aufwuchs auf den Blättern |
| Fischbecken ohne echte Bepflanzung | 6–8 Stunden | Dauer richtet sich nur nach Betrachtung und Tagesrhythmus |
Warum die Mittagspause nichts bringt
Die Idee ist verbreitet: Licht drei Stunden an, zwei Stunden Pause, dann wieder fünf Stunden. Die Begründung lautet, Algen kämen mit der Unterbrechung schlechter zurecht als höhere Pflanzen, weil sie länger brauchen, um ihren Stoffwechsel hochzufahren.
In der Praxis lässt sich dieser Effekt nicht verlässlich beobachten. Was sich beobachten lässt, ist die Kehrseite: Auch die höheren Pflanzen brauchen nach jedem Neustart eine Anlaufzeit, in der die Photosynthese erst wieder hochläuft. Bei einer CO₂-Anlage kommt hinzu, dass die Pause die CO₂-Kurve durcheinanderbringt, weil die Pflanzen während der Dunkelphase kein CO₂ verbrauchen und der Wert ansteigt. Genau solche Schwankungen sind der Hauptauslöser für Pinselalgen.
Eine durchgehende, dafür etwas kürzere Lichtphase ist in nahezu allen Fällen die bessere Wahl. Wer das Becken abends sehen will und morgens auch, sollte die Phase eher verschieben als teilen, zum Beispiel von 13 bis 22 Uhr.
Dauer ist nicht Ersatz für Intensität
Die Lichtmenge, die eine Pflanze bekommt, ergibt sich aus Intensität mal Zeit. Daraus wird oft der falsche Schluss gezogen, man könne eine zu schwache Beleuchtung durch eine längere Laufzeit ausgleichen.
Das funktioniert nicht, weil Pflanzen einen Mindestwert an Lichtintensität brauchen, um überhaupt netto Biomasse aufzubauen. Unterhalb dieses Kompensationspunktes verbrauchen sie durch Atmung mehr, als die Photosynthese liefert. Eine schwache Lampe, die vierzehn Stunden läuft, bringt dann nichts außer vierzehn Stunden Algenwachstum. Wie sich der Lichtbedarf für ein konkretes Becken abschätzen lässt, steht im Aquarium-Licht-Rechner.
Umgekehrt gilt: mehr Intensität heißt kürzer
Wer eine starke Beleuchtung über einem Aquascape betreibt, muss die Dauer eher reduzieren. Der Grund liegt in den anderen Wachstumsfaktoren. Licht treibt die Photosynthese an, aber die Pflanze braucht dazu CO₂ und Nährstoffe im passenden Verhältnis. Ist einer davon knapp, läuft das überschüssige Licht ins Leere und steht den Algen zur Verfügung.
Praktische Faustregel: Wenn Algen zunehmen, obwohl die Pflanzen gut wachsen, ist meist ein Nährstoff limitierend. Wenn Algen zunehmen und die Pflanzen kümmern, ist die Lichtmenge zu hoch für das, was der Rest des Systems hergibt. Im zweiten Fall ist eine Stunde weniger der schnellste wirksame Eingriff.
Ein- und Ausschalten
Eine Zeitschaltuhr ist Pflicht, weil Regelmäßigkeit für Pflanzen und Fische wichtiger ist als der exakte Zeitpunkt. Manuelles Schalten führt zu Schwankungen von mehreren Stunden pro Woche.
Ein sanftes Auf- und Abdimmen über zehn bis dreißig Minuten ist für die Fische angenehmer als der harte Schalter. Viele Arten reagieren auf plötzliche Helligkeit mit Schreckreaktionen, bei denen sie gegen Scheiben oder Dekoration schwimmen. Wer keine dimmbare Steuerung hat, kann sich behelfen, indem er zuerst das Zimmerlicht einschaltet und erst danach die Beckenbeleuchtung.
Bei einer CO₂-Anlage startet diese 60 bis 90 Minuten vor dem Licht und schaltet 60 Minuten vor Lichtende ab, damit der Wert über die gesamte Lichtphase im Zielbereich steht.
Was nachts passieren sollte
Nämlich Dunkelheit. Fische brauchen eine echte Ruhephase, viele Arten legen sich dabei ab oder verlieren ihre Tagesfärbung. Eine durchlaufende Mondlichtfunktion in Blau stört diesen Rhythmus, dazu mehr im Beitrag über blaues Licht im Aquarium.
Auch Raumlicht zählt. Ein Becken, das bis Mitternacht im hellen Wohnzimmer steht und morgens um sieben wieder beleuchtet wird, hat effektiv sieben Stunden Dunkelheit, nicht vierzehn. Bei Zuchtansätzen und empfindlichen Arten ist das ein relevanter Faktor.
Praxisbeispiel
Ein 240-Liter-Becken mit LED-Aufsatzleuchte, ursprünglich zwölf Stunden Laufzeit mit einer Mittagspause von zwei Stunden. Bepflanzung mittel, keine CO₂-Anlage. Es traten zunehmend Fadenalgen auf, die Cryptocorynen wuchsen langsam.
Umstellung: Mittagspause aufgehoben, durchgehende Phase von 14 bis 22 Uhr, also acht Stunden. Zusätzlich Nitrat auf 15 mg/l aufgedüngt, weil es unter der Nachweisgrenze lag. Nach drei Wochen war der Neuzuwachs an Fadenalgen deutlich zurückgegangen, nach sechs Wochen praktisch verschwunden. Die Cryptocorynen wuchsen trotz vier Stunden weniger Licht schneller als vorher, weil der zuvor limitierende Nährstoff nicht mehr fehlte.
Häufige Fragen
Kann ich die Beleuchtungsdauer im Winter reduzieren?
Möglich, aber nicht nötig. Tropische Pflanzen und Fische kennen keinen ausgeprägten Jahreszeitenwechsel. Wer bei bestimmten Arten eine Trocken- oder Regenzeit simulieren will, ändert dafür eher Temperatur und Wasserwechselrhythmus als die Lichtdauer.
Wie lange dauert es, bis eine Umstellung wirkt?
Auf Algen wirkt eine Verkürzung innerhalb von zwei bis drei Wochen, sichtbar am ausbleibenden Neuzuwachs. Die Pflanzen brauchen ähnlich lange, um sich anzupassen. Deshalb sollte man nach einer Änderung mindestens vier Wochen warten, bevor man erneut dreht.
Soll ich die Dauer schrittweise ändern?
Bei Verkürzungen von mehr als zwei Stunden ja, in Schritten von 30 bis 60 Minuten pro Woche. Bei kleineren Anpassungen ist ein direkter Wechsel unproblematisch.
Mein Becken steht am Fenster. Zählt das Tageslicht mit?
Ja, und zwar erheblich. Direkte Sonne kann für kurze Zeit ein Vielfaches der Lampenleistung liefern. Ein Becken mit Sonnenanteil sollte deutlich kürzer künstlich beleuchtet werden, und im Sommer lohnt eine Abschattung der betroffenen Seite.
Verlängert eine längere Lichtphase die Lebensdauer meiner LED?
Nein, das Gegenteil. LED-Module altern mit den Betriebsstunden, die Lichtausbeute nimmt über die Jahre ab. Nach etwa vier bis sechs Jahren Dauerbetrieb bei acht Stunden täglich ist bei vielen Modellen ein spürbarer Rückgang messbar, was sich als schleichend nachlassendes Pflanzenwachstum bemerkbar macht.