Der pH-Wert lässt sich im Aquarium nicht isoliert einstellen. Er ist das Ergebnis aus Karbonathärte und gelöstem Kohlendioxid, und wer nur an der Zahl dreht, ohne diese beiden zu berücksichtigen, bekommt entweder gar keine Wirkung oder einen Säuresturz. Deshalb steht am Anfang nicht die Frage, wie man senkt, sondern ob man überhaupt senken muss.
Den CO₂-Gehalt zu einer pH-KH-Kombination liefert der Rechner unter CO₂ im Aquarium.
Erst prüfen, ob Senken nötig ist
Ein pH-Wert von 7,8 ist kein Problem, solange der Besatz damit zurechtkommt. Die meisten im Handel erhältlichen Fische sind seit vielen Generationen an mitteleuropäisches Leitungswasser gewöhnt. Ein stabiler Wert von 7,5 ist für sie besser als ein schwankender von 6,5.
Sinnvoll wird das Senken in drei Fällen: bei ausgesprochenen Weichwasserarten wie Diskus, Zwergbuntbarschen oder südamerikanischen Salmlern, bei der Zucht von Arten, deren Eier nur in weichem, saurem Wasser befruchtet werden, und bei Zwerggarnelen der Gattung Caridina, etwa Bienengarnelen.
| Besatz | pH | KH | GH |
|---|---|---|---|
| Gesellschaftsbecken Standard | 6,8–7,8 | 4–10 °dH | 8–16 °dH |
| Südamerikanische Salmler | 5,8–7,0 | 2–5 °dH | 3–8 °dH |
| Diskus | 5,5–6,8 | 1–4 °dH | 2–6 °dH |
| Bienengarnelen (Caridina) | 5,5–6,5 | 0–1 °dH | 4–6 °dH |
| Neocaridina (Red Fire u. a.) | 6,5–8,0 | 3–10 °dH | 6–20 °dH |
| Malawi- und Tanganjikasee-Cichliden | 7,8–8,8 | 8–18 °dH | 10–20 °dH |
Der Zusammenhang, den man kennen muss
pH-Wert, Karbonathärte und CO₂ hängen fest zusammen. Bei gegebener KH bestimmt der CO₂-Gehalt den pH-Wert, und umgekehrt lässt sich aus pH und KH der CO₂-Gehalt ablesen. Das ist die Grundlage jedes CO₂-Dauertests.
| KH \ pH | 6,4 | 6,8 | 7,0 | 7,4 | 7,8 |
|---|---|---|---|---|---|
| 2 °dH | 28 mg/l | 11 mg/l | 7 mg/l | 3 mg/l | 1 mg/l |
| 4 °dH | 56 mg/l | 22 mg/l | 14 mg/l | 6 mg/l | 2 mg/l |
| 6 °dH | 84 mg/l | 33 mg/l | 21 mg/l | 8 mg/l | 3 mg/l |
| 8 °dH | 112 mg/l | 45 mg/l | 28 mg/l | 11 mg/l | 4 mg/l |
| 12 °dH | 168 mg/l | 67 mg/l | 42 mg/l | 17 mg/l | 7 mg/l |
Die Werte sind gerundet und gelten für Wasser ohne nennenswerte Huminstoffe. Zwei Dinge liest man daraus ab. Erstens: Je höher die KH, desto mehr CO₂ braucht es für dieselbe pH-Absenkung. Bei 12 °dH sind für pH 6,8 rechnerisch 71 mg/l CO₂ nötig, ein Wert, bei dem kein Fisch mehr atmen kann. Zweitens: Bei KH 2 genügen 12 mg/l für denselben pH. Wer dauerhaft niedrige pH-Werte will, muss also zuerst die KH senken, nicht das CO₂ erhöhen.
Die vier Wege, geordnet nach Eignung
1. Osmosewasser: der einzige nachhaltige Weg
Eine Umkehrosmoseanlage entzieht dem Leitungswasser praktisch alle gelösten Salze, einschließlich der Karbonathärte. Das entstandene Wasser wird mit Leitungswasser verschnitten oder mit Aufhärtesalz auf den Zielwert gebracht. Sinkt die KH auf 2 bis 4 °dH, stellt sich der pH-Wert bei normalem CO₂-Gehalt von allein tiefer ein.
Rechenbeispiel: Leitungswasser mit KH 12. Ein Verschnitt von einem Teil Leitungswasser auf drei Teile Osmosewasser ergibt rechnerisch KH 3. Bei 15 mg/l CO₂ landet man damit bei etwa pH 6,7 statt vorher 7,5. Details zu Anlagen, Dimensionierung und Abwasserverhältnis stehen im Beitrag zur Osmoseanlage fürs Aquarium.
2. CO₂-Anlage: schnell, aber begrenzt
Eine CO₂-Anlage senkt den pH-Wert zuverlässig und ist im Pflanzenbecken ohnehin sinnvoll. Die Grenze liegt bei etwa 30 mg/l CO₂, darüber wird es für den Besatz kritisch. Bei hoher KH reicht das für eine deutliche Absenkung nicht aus.
Wichtig ist außerdem die Tagesschwankung. Nachts baut sich das CO₂ ab, der pH-Wert steigt wieder. Eine Spanne von 0,3 bis 0,4 Einheiten über den Tag ist normal und unproblematisch, mehr als 0,6 belastet den Besatz und begünstigt Algen, besonders Pinselalgen.
3. Huminstoffe: sanft und begrenzt
Erlenzäpfchen, Torf und Seemandelbaumblätter geben Gerbstoffe und Huminsäuren ab. Bei niedriger KH senken sie den pH-Wert um 0,2 bis 0,5 Einheiten, bei KH über 6 passiert praktisch nichts, weil der Puffer die Säuren abfängt. Das Wasser färbt sich dabei bernsteinfarben. Als alleinige Methode taugt das nur bei ohnehin weichem Ausgangswasser.
4. Säurezugabe: nur mit KH-Kontrolle
pH-Minus-Präparate aus dem Handel enthalten meist verdünnte Säuren. Sie verbrauchen Karbonathärte, um den pH zu senken. Solange KH vorhanden ist, passiert wenig. Sobald sie aufgebraucht ist, fällt der pH-Wert schlagartig ab, teils um mehrere Einheiten innerhalb von Stunden. Dieser Säuresturz ist die häufigste Ursache für plötzliche Verluste nach gut gemeinten Korrekturversuchen.
Wer trotzdem so arbeitet, misst die KH vor jeder Zugabe, dosiert in kleinen Schritten und hält die KH nie unter 3 °dH.
Was man besser lässt
- Torf im Filter bei hoher KH. Bringt kaum Absenkung, färbt aber das Wasser und setzt Filtermedien zu.
- Destilliertes Wasser aus dem Baumarkt. Es ist für Bügeleisen gedacht, nicht für Aquarien, und kann Rückstände enthalten.
- Große pH-Sprünge in einem Schritt. Mehr als 0,3 Einheiten pro Tag sollte die Änderung nicht betragen, sonst reagiert der Besatz mit Stress und Kiemenreizungen.
- Kohlensäurehaltiges Mineralwasser. Wirkt kurz, bringt aber unkontrollierte Mineralien ein und ist nicht steuerbar.
Praxisbeispiel
Ein 200-Liter-Becken, geplant für Diskus. Leitungswasser: pH 7,6, KH 11, GH 15. Zielwerte: pH 6,5, KH 3, GH 5.
Der Weg über CO₂ scheidet aus, dafür wären bei KH 11 über 100 mg/l nötig. Also Osmose. Verschnitt von einem Teil Leitungswasser auf vier Teile Osmosewasser ergibt rechnerisch KH 2,2 und GH 3. Weil das für Diskus zu weich ist, wird mit Aufhärtesalz auf GH 5 und KH 3 nachjustiert. Umstellung über sechs Wasserwechsel in drei Wochen, jeweils 20 Prozent, damit die Änderung pro Termin unter 0,3 pH-Einheiten bleibt. Endstand: pH 6,6 bei 12 mg/l CO₂, stabil über den Tag mit einer Schwankung von 0,25 Einheiten.
Häufige Fragen
Warum steigt mein pH nach dem Wasserwechsel?
Frisches Leitungswasser ist mit CO₂ untersättigt und bringt Karbonathärte mit. Beides hebt den pH-Wert. Nach ein bis zwei Tagen pendelt er sich wieder ein. Bei großen Wechseln über 50 Prozent kann der Sprung so groß sein, dass er den Besatz belastet.
Reicht Regenwasser statt Osmosewasser?
Grundsätzlich hat Regenwasser eine sehr niedrige Härte und wäre geeignet. In der Praxis spricht die unkontrollierbare Belastung dagegen: Staub, Pollen, Rückstände vom Dach und aus der Regenrinne. Wer es nutzt, sollte es filtern und nicht direkt nach längeren Trockenphasen sammeln.
Wie oft sollte ich den pH-Wert messen?
In einem eingefahrenen Becken ohne Änderungen reicht wöchentlich. Bei laufender Umstellung täglich, und zwar immer zur gleichen Uhrzeit, weil der Wert über den Tag schwankt. Für Vergleichbarkeit ist der Zeitpunkt wichtiger als die Genauigkeit der Methode.
Mein pH-Wert schwankt stark. Woran liegt das?
Fast immer an zu niedriger Karbonathärte. Unter 3 °dH fehlt dem Wasser die Pufferwirkung, jede CO₂-Änderung schlägt voll durch. Die Lösung ist paradox, aber richtig: KH leicht anheben, um den pH zu stabilisieren.
Senkt ein Bodengrund aus Soil den pH-Wert?
Aktive Soils binden Karbonathärte und senken den pH-Wert, teils deutlich, oft auf 6,0 bis 6,5. Die Wirkung lässt nach sechs bis achtzehn Monaten nach, wenn die Ionenaustauschkapazität erschöpft ist. Mehr zu den Substrattypen im Beitrag zum Aufbau des Bodengrunds.