Schulbuchverlage in Deutschland: Marktführer, Programme und Auswahl im Überblick

Der deutsche Schulbuchmarkt ist eine eigene Welt mit klaren Strukturen, festen Regeln und einer überraschend hohen Konzentration auf wenige große Anbieter. Wer Schulbücher bestellt, ob als Elternteil, Lehrkraft oder Schulleitung, sollte wissen, welche Verlage hinter den bekannten Lehrwerken stehen, wie die Zulassung funktioniert und worauf es bei der Auswahl ankommt. Dieser Ratgeber gibt eine fundierte Übersicht über die wichtigsten Schulbuchverlage in Deutschland, ihre Schwerpunkte und die Besonderheiten des Marktes.

Der Schulbuchmarkt in Deutschland: Zahlen und Strukturen

In Deutschland teilen sich rund 70 Schulbuchverlage den Markt. Doch die Verteilung ist stark unausgeglichen. Die drei größten Verlagsgruppen Cornelsen, Ernst Klett und Westermann decken zusammen etwa 90 Prozent des gesamten Schulbuchmarktes ab. Der Rest verteilt sich auf zahlreiche mittelständische und spezialisierte Anbieter, die in einzelnen Fächern, Schulformen oder Regionen stark vertreten sind.

Insgesamt befinden sich mindestens 40.000 verschiedene Schulbücher im Umlauf. Jährlich kommen mehrere tausend Neuerscheinungen hinzu, die ältere Werke ergänzen oder ablösen. Der Grund für diese hohe Titelzahl liegt im föderalen Bildungssystem: Jedes der 16 Bundesländer hat eigene Lehrpläne, Schulformen und Vorgaben. Ein Mathebuch für die 7. Klasse Realschule in Bayern unterscheidet sich somit von einer Ausgabe für Niedersachsen oder Sachsen.

Die drei großen Schulbuchverlage im Profil

Cornelsen Verlag (Berlin)

Der Cornelsen Verlag wurde 1946 von Franz und Hildegard Cornelsen in Berlin gegründet. Ursprünglich auf Englischlehrwerke spezialisiert, ist Cornelsen heute einer der führenden Schulbuchverlage in Deutschland mit einem Jahresumsatz im dreistelligen Millionenbereich und rund 1.300 Mitarbeitenden. Das Verlagsprogramm umfasst etwa 17.000 Titel aus rund 40 Fachrichtungen, jährlich erscheinen etwa 1.500 neue Werke.

Die Schwerpunkte liegen in der frühkindlichen Bildung, der Grundschule, allen weiterführenden Schulformen, der beruflichen Bildung und der Erwachsenenbildung. Zur Cornelsen Bildungsgruppe gehören weitere Marken wie die Patmos Verlagsgruppe sowie der tschechische Fraus Verlag und der österreichische Veritas Verlag. Mit der Plattform scook hat Cornelsen früh ein digitales Angebot etabliert, das Schulbücher als Online-Ausgaben mit Begleitmaterial verbindet.

Ernst Klett Verlag (Stuttgart)

Die Klett Gruppe mit Sitz in Stuttgart ist eine der traditionsreichsten Bildungsmediengruppen Europas. Der bekannteste Bestandteil ist der Ernst Klett Schulbuchverlag, der Lernmaterialien für allgemeinbildende Schulen, berufliche Schulen sowie für die Erwachsenenbildung herausgibt. Die Gruppe gehört regelmäßig zu den umsatzstärksten Verlagen in Deutschland überhaupt und liegt damit noch vor vielen Publikumsverlagen.

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Klett ist in nahezu allen Fächern stark vertreten und wird oft mit klar strukturierten Reihen, breiten Differenzierungsangeboten und hoher Lehrplankonformität verbunden. Neben dem klassischen Schulbuchgeschäft betreibt die Gruppe Sprachschulen, Lernhilfenverlage wie Pons und digitale Lernportale. Die Marke Klett ist damit auch außerhalb der Schule präsent, etwa über Sprachkurse oder Vokabeltrainer.

Westermann Gruppe (Braunschweig)

Die Westermann Gruppe sitzt in Braunschweig und gilt als dritte Säule des deutschen Schulbuchmarktes. Zum Portfolio gehören Schulbücher, Kinder- und Jugendbücher, Sachbücher, Lernspiele, Lernsoftware sowie Fachzeitschriften. Mit einem Umsatz im niedrigen dreistelligen Millionenbereich zählt Westermann zu den größten Verlagshäusern Deutschlands.

Unter dem Dach der Westermann Gruppe firmieren bekannte Marken wie Schroedel, Diesterweg, Schöningh und Winklers. Westermann ist in einzelnen Fächergruppen besonders stark, etwa in Erdkunde, Geschichte und beruflicher Bildung. Die digitalen Angebote werden konsequent ausgebaut, vom Online-Diagnostiktool bis zum interaktiven Arbeitsheft.

Wichtige Schulbuchverlage abseits der drei Großen

Auch wenn die Konzentration hoch ist, gibt es zahlreiche kleinere und mittelständische Verlage, die in ihren Nischen unverzichtbar sind:

  • Stark Verlag (Hallbergmoos): Spezialist für Prüfungsvorbereitung, Abitur- und Abschlussprüfungen aller Schulformen.

  • Mildenberger Verlag (Offenburg): Stark im Grundschulbereich, vor allem bei Lese-, Schreib- und Rechenlernmaterialien.

  • Schneider Verlag (Hohengehren): Fachverlag für Pädagogik und Didaktik mit Schwerpunkt auf Lehrerbildung.

  • Wochenschau Verlag (Schwalbach): Renommierter Anbieter für Politik, Geschichte und sozialwissenschaftliche Themen.

  • Hueber Verlag (Ismaning): Marktführer bei Lehrwerken für Deutsch als Fremdsprache und weitere Fremdsprachen.

  • Oldenbourg Verlag: Stark im Bereich berufliche Bildung und fachlich spezialisierter Inhalte.

Daneben gibt es konfessionelle Verlage, Regionalverlage und Spezialanbieter für Förderschulen oder einzelne Fächer. Eine vollständige Übersicht aller Schulbuchverlage und Anbieter von Bildungsmedien findet sich auf den Seiten des Deutschen Bildungsservers.

Schulbuchzulassung: So funktioniert das Verfahren

Schulbücher für den Unterricht an staatlichen Schulen müssen in den meisten Bundesländern durch das jeweilige Kultusministerium oder eine nachgeordnete Behörde zugelassen werden. Das Zulassungsverfahren prüft, ob ein Lehrwerk lehrplankonform, didaktisch sowie sprachlich geeignet und mit den allgemeinen Verfassungsgrundsätzen vereinbar ist. Auch ein vorgegebener Kostenrahmen darf nicht überschritten werden.

Es gibt zwei wesentliche Verfahrensarten:

  • Förmliches Begutachtungsverfahren: Externe Gutachter prüfen das Buch im Auftrag des Ministeriums. Üblich in Ländern wie Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Hessen.

  • Vereinfachtes Verfahren: Der Verlag bestätigt in einer Selbstverpflichtungserklärung, dass die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt sind. Üblich etwa in Baden-Württemberg und Niedersachsen.

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Einige Bundesländer haben die Schulbuchzulassung komplett abgeschafft, darunter Berlin (2004), Hamburg, Saarland und Schleswig-Holstein. Dort entscheiden die Schulen und Fachkonferenzen eigenverantwortlich über die Auswahl der Lehrwerke. Schulbücher für berufliche Schulen sowie für die gymnasiale Oberstufe sind grundsätzlich von der Zulassungspflicht ausgenommen.

Jedes Bundesland mit Zulassungspflicht führt ein eigenes Schulbuchverzeichnis. Innerhalb dieses Verzeichnisses sind die Schulen frei in der Auswahl ihrer Lehrwerke. Die jeweils aktuellen Listen sind auf den Seiten der Kultusministerien sowie beim Deutschen Bildungsserver einsehbar.

Digitale Lehrmittel: Wandel im Schulbuchmarkt

Neben den klassischen gedruckten Büchern gewinnen digitale Bildungsmedien zunehmend an Bedeutung. Alle großen Schulbuchverlage bieten heute E-Books, interaktive Arbeitshefte, Lernplattformen und Diagnose-Tools an. Cornelsen betreibt die Plattform scook, Klett bietet umfangreiche Online-Inhalte über die eigenen Lehrwerksportale, und Westermann hat mit BiBox eine viel genutzte digitale Unterrichtsplattform aufgebaut.

Der Umsatzanteil digitaler Produkte liegt in der Branche noch im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich, wächst aber kontinuierlich. Digitale Lizenzen werden meist zeitlich befristet vergeben und sind an Nutzerkonten oder Zugangscodes gekoppelt. Für Schulen und Eltern bedeutet das, dass Lizenzlaufzeiten in die Budgetplanung einbezogen werden sollten. Trotz aller Digitalisierung behält das gedruckte Schulbuch seinen festen Platz im Unterricht, weil viele Bundesländer auf eine ausgewogene Mischung aus analogen und digitalen Medien setzen.

Schulbücher kaufen oder ausleihen: Die Beschaffungswege

Wie Schulbücher angeschafft werden, hängt vom Bundesland und teils vom Schulträger ab. Es gibt drei verbreitete Modelle:

  1. Lernmittelfreiheit: Das Bundesland oder die Kommune stellt die Bücher kostenfrei zur Verfügung. Üblich etwa in Bayern und Berlin.

  2. Schulbuchausleihe gegen Gebühr: Eltern zahlen eine geringe Leihgebühr und erhalten die Bücher leihweise für ein Schuljahr. Verbreitet in Niedersachsen, Hessen und weiteren Ländern.

  3. Eigenkauf: Familien beschaffen die Bücher selbst, oft mit Zuschüssen für einkommensschwache Haushalte. Üblich in Baden-Württemberg in Teilbereichen.

Beim Eigenkauf lohnt sich der Vergleich. Schulbücher sind in Deutschland an die Buchpreisbindung gebunden, sodass der Listenpreis überall gleich ist. Unterschiede gibt es jedoch bei Lieferzeiten, Versandkosten und Servicequalität. Wer früh bestellt, vermeidet Engpässe zu Schuljahresbeginn. Wichtig ist, die exakte ISBN sowie den aktuellen Auflagenstand zu verwenden, weil Schulbücher häufig in neuen Ausgaben erscheinen und ältere Versionen nicht immer kompatibel sind.

Worauf Sie bei der Schulbuchauswahl achten sollten

Für Lehrkräfte und Fachkonferenzen, die Lehrwerke auswählen, sind drei Kriterien zentral: das Sortiment, die Preismodelle und der Service des Verlags. Beim Sortiment geht es um die Passung zur Schulform, um landesspezifische Ausgaben und um die Tiefe der Begleitmaterialien wie Arbeitshefte, Lehrerhandreichungen, Lösungen und digitale Zusatzangebote.

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Für Eltern ist die Lage einfacher, weil die Auswahl durch die Schule erfolgt. Wichtig ist hier, die offizielle Bücherliste der Schule abzuwarten und erst dann zu bestellen. Antiquarische Schulbücher können eine Sparmöglichkeit sein, allerdings nur dann, wenn die Auflage exakt mit der angeforderten übereinstimmt.

Fazit

Der deutsche Schulbuchmarkt wird von Cornelsen, Klett und Westermann dominiert, ergänzt um eine Vielzahl spezialisierter Verlage. Das föderale System sorgt für eine enorme Titelvielfalt, weil jedes Bundesland eigene Lehrpläne und Zulassungsverfahren hat. Wer als Elternteil oder Lehrkraft Schulbücher beschafft, profitiert davon, die wichtigsten Verlage und Beschaffungswege zu kennen. Mit Blick auf den digitalen Wandel werden Schulbücher zunehmend zu Lehrwerksverbünden aus Buch, Online-Inhalten und Diagnose-Tools, was die Auswahl anspruchsvoller, aber auch flexibler macht.

Häufig gestellte Fragen

Welcher ist der größte Schulbuchverlag in Deutschland?

Gemessen am Umsatz gehört die Klett Gruppe zu den größten Schulbuchverlagen in Deutschland und liegt regelmäßig in den Top 3 aller Verlagshäuser. Zusammen mit Cornelsen und Westermann decken die drei Verlagsgruppen rund 90 Prozent des Schulbuchmarktes ab.

Wer entscheidet, welche Schulbücher im Unterricht eingesetzt werden?

In den meisten Bundesländern müssen Schulbücher durch das Kultusministerium zugelassen werden. Aus dem amtlichen Schulbuchverzeichnis wählen die Fachkonferenzen der Schulen die konkreten Lehrwerke aus. In einigen Bundesländern wie Berlin, Hamburg, Saarland und Schleswig-Holstein entscheiden die Schulen eigenständig.

Sind Schulbücher in Deutschland kostenlos?

Das hängt vom Bundesland ab. Manche Länder gewähren Lernmittelfreiheit und stellen alle Bücher kostenlos zur Verfügung. Andere arbeiten mit einer kostenpflichtigen Schulbuchausleihe oder verlangen den Eigenkauf, oft mit Zuschüssen für einkommensschwache Familien.

Wo finde ich das offizielle Schulbuchverzeichnis meines Bundeslandes?

Die Schulbuchverzeichnisse sind auf den Webseiten der jeweiligen Kultusministerien veröffentlicht. Eine zentrale Übersicht über alle Länder bietet der Deutsche Bildungsserver.

Lohnt sich der Kauf gebrauchter Schulbücher?

Gebrauchte Schulbücher können eine sinnvolle Sparmöglichkeit sein, wenn die Auflage exakt mit der von der Schule angeforderten übereinstimmt. Lehrwerke werden regelmäßig überarbeitet, und schon kleinere Änderungen können die Nutzbarkeit im Unterricht einschränken. Vor dem Kauf sollten Sie ISBN und Auflagenstand abgleichen.

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