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Hässliche Tiere: 10 Arten und wofür ihr Aussehen gut ist

Hässlich ist kein biologischer Begriff. Was wir als abstoßend empfinden, ist meist ein Merkmal, das eine sehr konkrete Funktion erfüllt: eine nackte Haut, die sich in Aas reinigen lässt, ein gallertartiger Körper, der Druck in 1.200 Metern Tiefe aushält, ein Gebiss, das durch Knochen kommt. Die folgenden Arten gelten als die hässlichsten der Welt, und bei jeder lohnt die Frage, wofür das jeweilige Merkmal gut ist.

Die Liste im Überblick

Art Verbreitung Größe Auffälliges Merkmal Bestand
Blobfisch Südostaustralien, Tasmanien bis 30 cm gallertartiger Körper Daten unzureichend
Nacktmull Ostafrika 8–10 cm haarlos, faltig, große Nagezähne nicht gefährdet
Kahlkopf-Kakadu Philippinen ca. 30 cm federloser Kopf stark gefährdet
Beutelteufel Tasmanien 50–65 cm massiver Schädel, Beißkraft stark gefährdet
Sternmull Nordamerika 15–20 cm 22 fleischige Tentakel an der Schnauze nicht gefährdet
Marabu Afrika südlich der Sahara bis 150 cm nackter Hals, Kehlsack nicht gefährdet
Warzenschwein Afrika 90–150 cm Gesichtswarzen, Hauer nicht gefährdet
Fingertier (Aye-Aye) Madagaskar 30–40 cm extrem verlängerter Mittelfinger gefährdet
Kalifornischer Kondor Westen der USA Spannweite bis 290 cm nackter Kopf vom Aussterben bedroht
Seewolf Nordatlantik bis 150 cm hervorstehende Fangzähne je nach Art gefährdet

Blobfisch

Der Blobfisch ist das Symboltier dieser Liste, und das beruht auf einem Missverständnis. Das bekannte Foto zeigt ein totes, an die Oberfläche gebrachtes Exemplar. In seiner Lebensumgebung in 600 bis 1.200 Metern Tiefe herrscht ein Druck, der das Sechzig- bis Hundertfache des Oberflächendrucks erreicht. Dort hat das Tier eine normale Fischform.

Sein Körper enthält kaum Muskulatur und keine Schwimmblase. Stattdessen besteht er zu einem großen Teil aus einer gallertartigen Substanz mit einer Dichte knapp unter der von Wasser. Das Tier schwebt dadurch ohne Energieaufwand knapp über dem Grund. Beim Auftauchen fehlt der Gegendruck, das Gewebe verliert seine Form, und heraus kommt das Bild, das seinen Ruf begründet hat.

Nacktmull

Der Nacktmull sieht aus wie eine faltige Wurst mit Zähnen und ist eines der biologisch bemerkenswertesten Säugetiere überhaupt. Er lebt in unterirdischen Kolonien von bis zu 300 Tieren mit einer einzigen fortpflanzungsfähigen Königin, eine Sozialstruktur, die man sonst von Insekten kennt und die bei Säugetieren nur bei ihm und der verwandten Graumull-Art vorkommt.

Die Zähne stehen außerhalb der Lippen, damit beim Graben keine Erde ins Maul gelangt. Ein Drittel seiner Muskelmasse steckt im Kiefer. Die Haut ist weitgehend unempfindlich gegen bestimmte Schmerzreize, was in der Forschung untersucht wird, und die Tiere überstehen Phasen mit extrem niedrigem Sauerstoffgehalt, wie sie in überfüllten Tunneln auftreten. Mit über 30 Jahren erreichen sie zudem ein Vielfaches der Lebenserwartung, die bei einem Nagetier dieser Größe zu erwarten wäre.

Sternmull

Die 22 Tentakel rund um die Schnauze wirken wie eine Missbildung und sind tatsächlich das empfindlichste bekannte Tastorgan im Tierreich. Sie tragen mehr als 25.000 Sinnesrezeptoren auf einer Fläche kleiner als eine Fingerkuppe.

Der Sternmull ist blind und jagt ausschließlich über Berührung. Er identifiziert und frisst Beute in unter einer Viertelsekunde und gilt damit als das am schnellsten fressende Säugetier. Beim Tauchen kann er Luftblasen ausstoßen und wieder einatmen, um unter Wasser zu riechen.

Fingertier

Das Aye-Aye ist ein nachtaktiver Lemur aus Madagaskar mit einem stark verlängerten, dünnen Mittelfinger. Er dient einer Jagdtechnik, die sonst kein Primat beherrscht: Das Tier klopft mit dem Finger Baumrinde ab, hört mit seinen großen Ohren auf Hohlräume und nagt an der entsprechenden Stelle ein Loch, um mit demselben Finger die Larve herauszuangeln.

Ökologisch besetzt es damit die Nische, die anderswo Spechte ausfüllen. In Teilen Madagaskars gilt das Tier traditionell als Unglücksbote und wird deshalb getötet, was neben dem Verlust des Lebensraums zu seiner Gefährdung beiträgt.

Warum nackte Köpfe bei Aasfressern häufig sind

Marabu, Kondor und Geier haben eines gemeinsam: einen weitgehend federlosen Kopf und Hals. Das ist kein Zufall, sondern eine wiederholt entstandene Anpassung an dieselbe Lebensweise.

Wer den Kopf tief in einen Kadaver steckt, bekommt Blut und Gewebereste ins Gefieder. Federn ließen sich davon kaum reinigen, nackte Haut dagegen trocknet und wird von der Sonne ausgebleicht. Beim Kondor kommt eine zweite Funktion hinzu: Über die unbefiederten Hautpartien reguliert er seine Körpertemperatur, indem er sie je nach Bedarf einzieht oder freilegt.

Der Beutelteufel und sein eigentliches Problem

Der tasmanische Beutelteufel verdankt seinen Ruf dem kreischenden Lautrepertoire und dem massiven Schädel, dessen Beißkraft im Verhältnis zur Körpergröße zu den höchsten unter den Säugetieren zählt. Er zerlegt Kadaver einschließlich Knochen.

Bedroht ist er nicht durch Menschen im üblichen Sinn, sondern durch eine übertragbare Gesichtstumorerkrankung, die sich seit den 1990er Jahren in der Population ausgebreitet und die Bestände regional drastisch reduziert hat. Übertragen wird sie über Bisswunden, die bei den Rangkämpfen dieser Art häufig sind. Es handelt sich um einen der wenigen bekannten Fälle, in denen Tumorzellen selbst als Erreger zwischen Individuen übergehen.

Was das Aussehen mit dem Schutz zu tun hat

In der Naturschutzarbeit ist seit langem bekannt, dass Spendenaufkommen und öffentliche Aufmerksamkeit stark mit dem Aussehen einer Art korrelieren. Große Augen, weiches Fell und ein rundes Gesicht führen zu mehr Zuwendung als ein nackter Kopf oder ein gallertartiger Körper.

Vier Arten dieser Liste stehen als gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht in den Roten Listen. Der Kahlkopf-Kakadu ist auf den Philippinen bis auf wenige Restbestände verschwunden, der Kalifornische Kondor war Mitte der 1980er Jahre mit rund zwei Dutzend Tieren dem Aussterben so nahe wie kaum eine andere Vogelart und existiert heute nur dank eines aufwendigen Zuchtprogramms. Dass eine Art unattraktiv wirkt, sagt nichts über ihre Rolle im Ökosystem aus, wohl aber einiges über ihre Chancen auf Unterstützung.

Häufige Fragen

Welches Tier gilt als das hässlichste der Welt?

Am häufigsten genannt wird der Blobfisch, der 2013 in einer öffentlichen Abstimmung einer britischen Naturschutzorganisation zum Maskottchen für unattraktive Arten gewählt wurde. Die Wahl beruhte allerdings auf dem Bild eines toten Exemplars außerhalb seines Lebensraums.

Warum haben Tiefseefische oft ein bizarres Aussehen?

Weil dort andere Bedingungen herrschen. Ohne Licht spielt Tarnfärbung keine Rolle, Nahrung ist selten, weshalb große Mäuler und dehnbare Mägen von Vorteil sind, und der hohe Druck macht schwere Skelette und muskulöse Körper unwirtschaftlich. Was an der Oberfläche deformiert wirkt, ist unter diesen Bedingungen zweckmäßig.

Gibt es ein Maß für Hässlichkeit bei Tieren?

Nein, es gibt nur menschliche Wahrnehmung. Untersuchungen zur Attraktivitätsbewertung von Tieren zeigen recht konsistent, dass Merkmale bevorzugt werden, die menschlichen oder kindlichen Proportionen ähneln: große Augen im Verhältnis zum Kopf, runde Formen, Fell. Alles, was davon abweicht, wird tendenziell negativer bewertet.

Warum hat der Nacktmull keine Haare?

Fell wäre in engen Erdtunneln bei nahezu konstanter Temperatur ohne Nutzen und würde beim Graben stören. Vereinzelte Tasthaare am Körper sind erhalten geblieben und dienen der Orientierung im Dunkeln. Die Temperaturregulierung übernimmt das Tier nicht über den Körper, sondern über den Aufenthaltsort im Tunnelsystem.

Sind hässliche Tiere gefährlicher als andere?

Nein, ein Zusammenhang besteht nicht. Der Blobfisch ist vollkommen harmlos, der Nacktmull ebenso. Umgekehrt gehören einige der giftigsten Tiere der Welt, etwa bestimmte Kegelschnecken und Quallen, zu den optisch ansprechendsten.

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