Beim Katzenverhalten im Winter fallen vor allem drei Dinge auf: Katzen suchen sich warme Schlafplätze, Freigänger bleiben kürzer draußen und viele Tiere haben etwas mehr Appetit. Das ist meist normal. Wichtig ist, normale Anpassungen von Signalen zu unterscheiden, hinter denen Schmerzen oder eine Krankheit stecken.
Wie verändert sich das Verhalten von Katzen im Winter?
Katzen reagieren auf Kälte und kurze Tage vor allem mit mehr Ruhe an warmen Plätzen, kürzeren Ausflügen und einem etwas größeren Appetit. Wohnungskatzen bekommen dazu oft weniger Abwechslung, weil das Fenster zu bleibt und draußen weniger passiert. Manche werden dadurch träger, andere abends unruhiger.
Typische Veränderungen in der kalten Jahreszeit:
- Lieblingsplätze wandern in die Nähe von Heizkörpern, auf Decken, in Kartons oder ins Bett.
- Die Katze rollt sich beim Schlafen enger zusammen und legt den Schwanz über die Nase. So verliert sie weniger Wärme.
- Freigänger kommen häufiger und früher nach Hause, bei Regen oder Schnee manchmal schon nach wenigen Minuten.
- Die Aktivität verschiebt sich, weil die Dämmerung früher kommt. Katzen sind bevorzugt in der Dämmerung aktiv, im Winter fällt diese Phase am Abend in die Zeit, in der du zu Hause bist.
Schlafen Katzen im Winter mehr?
Viele Katzen wirken im Winter müder, weil sie mehr Zeit an warmen Plätzen verbringen und draußen weniger zu tun haben. Schon im Normalfall schlafen die meisten Katzen 12 bis 16 Stunden am Tag, wie die University of Florida Health angibt. Eine feste Zahl, wie viel länger es im Winter wird, lässt sich seriös nicht nennen.
Katzen schlafen in vielen kurzen Etappen und wechseln zwischen leichtem und tiefem Schlaf. Auffällig wird es erst, wenn deine Katze kaum noch aufsteht, Spiel und Futter ignoriert oder sich beim Aufstehen sichtlich schwertut. Dann steckt eher Unwohlsein dahinter als das Wetter.
Fressen Katzen im Winter mehr?
Ja, viele Katzen fressen im Winter etwas mehr, wenn sie frei an Futter kommen. In einer vierjährigen Studie mit 38 Katzen in Südfrankreich, erschienen 2014 in der Fachzeitschrift PLOS ONE, fraßen die Tiere im Sommer laut den Autoren rund 15 Prozent weniger als im Winter. Das Körpergewicht blieb dabei stabil.
Daraus folgt nicht, dass jede Katze automatisch eine größere Portion braucht. Die Katzen in der Studie hatten überwiegend Auslauf. Eine Wohnungskatze, die im Winter mehr schläft, verbraucht eher weniger Energie. So gehst du praktisch vor:
- Wiege deine Katze im Herbst und dann etwa einmal im Monat. Am einfachsten stellst du dich erst allein und dann mit der Katze auf dem Arm auf die Personenwaage und rechnest die Differenz aus.
- Passe die Ration erst an, wenn sich das Gewicht oder die Figur verändert, nicht nach Gefühl.
- Biete frisches Wasser an mehreren Stellen an. Katzen, die wenig trinken, haben laut dem Cornell Feline Health Center häufiger Probleme mit den unteren Harnwegen.
Können Katzen im Winter draußen schlafen?
Gesunde, an Freigang gewöhnte Katzen halten kurze Zeit draußen bei Kälte aus, wenn sie einen trockenen, windgeschützten Rückzugsort haben. Eine Nacht im Freien ohne solchen Unterschlupf ist für sie aber unnötig riskant. Jungtiere, alte oder kranke Katzen und reine Wohnungskatzen gehören bei Frost ins Haus.
Diese Punkte machen den Winter für Freigänger sicherer:
- Unterschlupf: eine erhöht stehende, isolierte Box mit kleinem Eingang, ausgelegt mit Stroh oder einer Decke, die regelmäßig getrocknet wird.
- Katzenklappe oder feste Zeiten: Die Katze sollte jederzeit oder zu verlässlichen Zeiten ins Warme kommen.
- Auto: Katzen verkriechen sich bei Kälte auch im Motorraum geparkter Autos. Klopf vor dem Losfahren auf die Motorhaube, wenn in deiner Gegend Katzen unterwegs sind.
- Frostschutzmittel: Der Deutsche Tierschutzbund nennt es für Katzen extrem giftig. Das enthaltene Ethylenglykol kann akutes Nierenversagen auslösen. Verschütteten Scheibenreiniger oder Kühlerfrostschutz also sofort aufwischen und Kanister verschlossen lagern.
- Pfoten: Streusalz und Eis können die Ballen reizen. Kontrolliere die Pfoten nach dem Freigang auf Risse und wisch Salzreste mit einem feuchten Tuch ab, bevor die Katze sie ableckt.
Wie beschäftigst du eine Katze im Winter drinnen?
Am besten mit kurzen Jagdspielen mehrmals am Tag, weil sie den natürlichen Ablauf aus Lauern, Anschleichen, Sprung und Beute nachbilden. Zwei bis drei Runden von wenigen Minuten bringen mehr als ein Spielzeug, das dauerhaft herumliegt. Zum Schluss sollte die Katze die Beute fangen dürfen, danach gibt es ein paar Bissen Futter.
Weitere Ideen, die wenig kosten:
- Trockenfutter in einer Eierschachtel oder einem Karton mit Löchern verstecken, damit die Katze dafür arbeiten muss.
- Einen Platz am Fenster einrichten, an dem sie Vögel oder Passanten beobachten kann.
- Mehrere Kratzmöglichkeiten anbieten. Das Cornell Feline Health Center empfiehlt einen stabilen Kratzbaum, der mindestens so hoch ist wie die Katze im Stand auf den Hinterbeinen mit ausgestreckten Vorderbeinen.
Typisches Verhalten von Katzen: Was bedeuten die Signale?
Das Verhalten von Katzen lässt sich nur im Zusammenhang deuten: Schwanz, Ohren, Augen, Körperhaltung und die Situation gehören zusammen. Ein einzelnes Signal hat selten nur eine Bedeutung. Die folgende Übersicht zeigt häufige Signale und worauf du achten solltest.
| Verhalten | Häufige Bedeutung | Worauf du achten solltest |
|---|---|---|
| Schwanz senkrecht nach oben | Freundliche Begrüßung und Annäherung | Meist kommt die Katze dabei auf dich zu oder streicht um die Beine. |
| Schwanz peitscht oder schlägt hin und her | Erregung, Anspannung oder Ärger | Beim Streicheln ist das ein Zeichen, aufzuhören. |
| Ohren flach zur Seite oder nach hinten | Angst oder Abwehr | Der Katze Abstand und einen Rückzugsweg lassen. |
| Langsames Blinzeln | Entspannung und freundliche Kontaktaufnahme | Laut einer Studie der Universitäten Sussex und Portsmouth erwidern Katzen langsames Blinzeln von Menschen häufiger. |
| Schnurren | Oft Wohlbefinden | Katzen schnurren auch bei Schmerzen oder Stress, wie Spektrum der Wissenschaft erläutert. |
| Treteln mit den Vorderpfoten | Entspannung, meist auf weichen Unterlagen | Das Verhalten stammt vermutlich vom Milchtritt der Kätzchen beim Saugen. |
| Kratzen an Möbeln oder Kratzbaum | Krallenpflege und Markieren | Laut Cornell Feline Health Center hinterlassen Katzen dabei Duft aus Drüsen an den Pfoten. |
| Kopf und Wangen an dir reiben | Kontakt und Duftmarkierung | Ein freundliches Zeichen, kein Grund zur Sorge. |
Ausführlicher geht es im Beitrag Katzenverhalten verstehen um das Lesen dieser Signale im Alltag, etwa beim Streicheln. Wer noch überlegt, ob eine Wohnungs- oder Freigängerkatze zum eigenen Alltag passt, findet Entscheidungshilfen in unseren Tipps zur Haustierwahl.
Wann sollte eine Katze mit verändertem Verhalten zum Tierarzt?
Zum Tierarzt gehört eine Katze, wenn sich ihr Verhalten plötzlich und deutlich ändert, ohne dass Wetter oder Alltag das erklären. Katzen zeigen Schmerzen oft nur leise. Rückzug, Futterverweigerung oder Probleme beim Wasserlassen sind deshalb ernst zu nehmen, auch im Winter.
Diese Anzeichen solltest du zeitnah abklären lassen:
- Die Katze frisst nicht: Hört eine Katze auf zu fressen, kann eine Fettleber entstehen. Das Cornell Feline Health Center bezeichnet sie unbehandelt als vermutlich tödlich.
- Probleme beim Wasserlassen: häufiges Pressen, Schreien beim Urinieren, Blut im Urin oder Pinkeln außerhalb der Toilette. Kann ein Kater gar keinen Urin absetzen, ist das ein Notfall für die sofortige Behandlung.
- Weniger Springen und Klettern: Laut MSD Veterinary Manual lassen sich bei über 90 Prozent der Katzen, die älter als zwölf Jahre sind, degenerative Gelenkveränderungen nachweisen. Wer im Winter nicht mehr aufs Fensterbrett springt, ist vielleicht nicht faul, sondern hat Schmerzen.
- Verstecken und Gereiztheit: eine sonst verschmuste Katze, die sich plötzlich zurückzieht oder beim Anfassen faucht.
- Schmerzgesicht: Die Feline Grimace Scale der Université de Montréal achtet auf Ohrstellung, zusammengekniffene Augen, angespannte Schnauze, Stellung der Schnurrhaare und Kopfhaltung.