Albinismus ist eine erbliche Störung der Melaninbildung. Betroffene Tiere sind weiß oder cremefarben und haben rötlich erscheinende Augen, weil ohne Pigment die durchbluteten Gefäße der Netzhaut durchscheinen. Häufig verwechselt wird das mit Leuzismus, bei dem ebenfalls weiße Tiere entstehen, die Augen aber normal gefärbt bleiben. Der Unterschied ist nicht kosmetisch: Er entscheidet darüber, ob das Tier sehen kann.
Albinismus, Leuzismus, Isabellismus
| Albinismus | Leuzismus | Isabellismus | |
|---|---|---|---|
| Ursache | Melaninbildung gestört oder ausgefallen | Pigmentzellen wandern in der Embryonalentwicklung nicht ein | Melanin wird nur verdünnt gebildet |
| Körperfarbe | weiß bis cremefarben | weiß, oft teilweise, mit Farbinseln | hell beige, sandfarben |
| Augenfarbe | rot bis rosa | normal, oft blau oder dunkel | normal, etwas heller |
| Sehvermögen | meist stark eingeschränkt | normal | normal |
| Bekanntes Beispiel | Albino-Krokodil, weiße Labormaus | weißer Pfau, weißer Löwe | Isabellfarbene Pferde |
Der Blick ins Auge ist der schnellste Test. Ein weißer Vogel mit dunklen Augen ist kein Albino. Der weiße Pfau, der oft als Albino bezeichnet wird, ist leuzistisch und sieht völlig normal.
Warum die Augen betroffen sind
Melanin ist nicht nur Farbstoff, sondern hat in der Augenentwicklung eine strukturelle Funktion. Es steuert mit, wie sich die Sehnervenfasern zum Gehirn verschalten und wie die Netzhautgrube ausgebildet wird, die für scharfes Sehen zuständig ist.
Fehlt das Pigment, bleibt diese Grube unterentwickelt und ein Teil der Nervenfasern nimmt den falschen Weg. Die Folgen sind verminderte Sehschärfe, Probleme beim räumlichen Sehen und eine ausgeprägte Blendempfindlichkeit, weil die Regenbogenhaut ohne Pigment kaum Licht abschirmt. Für ein Beutetier heißt das schlechtere Feindwahrnehmung, für ein Raubtier schlechtere Jagd.
Wie häufig es vorkommt
Albinismus wird bei den meisten Arten rezessiv vererbt, das heißt beide Elterntiere müssen die Anlage tragen. Zufällige Häufigkeiten in freier Wildbahn liegen je nach Art in der Größenordnung von einem Fall auf zehntausend bis mehrere hunderttausend Individuen. Verlässliche Zahlen sind schwer zu ermitteln, weil betroffene Tiere selten alt werden und entsprechend selten beobachtet werden.
Deutlich höher liegt die Rate in kleinen, isolierten Populationen. Wenn wenige Tiere miteinander verwandt sind, treffen rezessive Anlagen häufiger zusammen. Das gilt für Inselpopulationen ebenso wie für Zuchtbestände.
Überlebenschancen in freier Wildbahn
Sie sind schlecht, und zwar aus mehreren Gründen gleichzeitig:
- Fehlende Tarnung. Ein weißes Reh in einem Laubwald ist aus großer Entfernung sichtbar.
- Schlechtes Sehvermögen. Das betrifft Nahrungssuche und Feindvermeidung gleichermaßen.
- UV-Empfindlichkeit. Ohne Melanin fehlt der Schutz der Haut. Bei Säugetieren mit dünnem Fell und bei Amphibien ist das ein realer Faktor.
- Soziale Ausgrenzung. Bei Arten, die Artgenossen optisch erkennen, werden abweichend gefärbte Tiere seltener als Partner akzeptiert.
Es gibt Ausnahmen. In Umgebungen, in denen Weiß nicht auffällt, oder bei Arten ohne bedeutende Fressfeinde fällt der Nachteil geringer aus. Und bei nachtaktiven Arten wiegt die Sehschwäche weniger schwer, weil ohnehin andere Sinne dominieren.
Bekannte Fälle
| Art | Besonderheit |
|---|---|
| Mississippi-Alligator | weltweit sind nur einige Dutzend albinotische Tiere bekannt, alle in menschlicher Obhut; in freier Wildbahn hätten sie durch die Sonnenempfindlichkeit kaum eine Chance |
| Weiße Labormaus | der bekannteste Albino überhaupt; die Standardlinien der Labormaus sind albinotisch, weil sie aus wenigen Zuchttieren hervorgingen |
| Axolotl | im Handel überwiegend hell gefärbte Zuchtformen, darunter echte Albinos; die Wildform ist dunkel |
| Albino-Wels | in der Aquaristik verbreitete Zuchtform mehrerer Arten |
| Igel | Fundmeldungen albinotischer Igel gibt es regelmäßig; die fehlende Tarnung wiegt hier weniger schwer, weil der Igel sich auf seine Stacheln verlässt |
| Rehe und Hirsche | weiße Exemplare erregen regelmäßig Aufmerksamkeit; ein Teil davon ist leuzistisch, nicht albinotisch |
Albinos in der Tierhaltung
In der Zucht sind albinotische Formen bei zahlreichen Arten etabliert, von Zierfischen über Reptilien bis zu Kleinsäugern. Das ist rechtlich in aller Regel unproblematisch, wirft aber Fragen auf, die je nach Art unterschiedlich zu beantworten sind.
Entscheidend ist, ob die Farbvariante mit Beeinträchtigungen einhergeht. Bei Fischen und nachtaktiven Arten fällt die Sehschwäche weniger ins Gewicht als bei tagaktiven Sichtjägern. Wo gezielt auf Merkmale gezüchtet wird, die dem Tier Leiden verursachen, greifen in Deutschland die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes zur Qualzucht. Ob das im Einzelfall zutrifft, ist eine fachliche und rechtliche Bewertung und keine, die sich pauschal für „Albinos“ treffen lässt.
Praktisch relevant für Halter ist vor allem die Beleuchtung. Albinotische Tiere brauchen Rückzugsmöglichkeiten mit gedämpftem Licht und sollten nicht dauerhaft hell beleuchtet gehalten werden.
Kommt Albinismus auch bei Pflanzen vor?
Ja, mit einem entscheidenden Unterschied. Pflanzen ohne Chlorophyll können keine Photosynthese betreiben. Albinotische Keimlinge sterben deshalb, sobald die Reserven des Samens aufgebraucht sind. Ausnahmen gibt es bei Arten, die sich über Wurzelverbindungen von anderen Pflanzen mitversorgen lassen, etwa bei einzelnen bekannten weißen Küstenmammutbäumen, die über das Wurzelsystem benachbarter Bäume am Leben bleiben.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich einen echten Albino?
An den Augen. Rötlich oder rosa erscheinende Augen bei weißem Körper sprechen für Albinismus. Dunkle oder blaue Augen bei weißem Körper sprechen für Leuzismus.
Sind Albinos immer vollständig weiß?
Nein. Es gibt Teilformen, bei denen die Melaninbildung nur reduziert ist. Solche Tiere zeigen eine blasse, aber erkennbare Zeichnung. Vollständiger Albinismus ohne jedes Pigment ist die Extremform.
Werden Albinos weniger alt?
In freier Wildbahn deutlich, weil sich Sichtbarkeit, Sehschwäche und UV-Empfindlichkeit summieren. In menschlicher Obhut, wo Fressfeinde und starke Sonneneinstrahlung wegfallen, erreichen sie in der Regel eine normale Lebenserwartung.
Ist der weiße Löwe ein Albino?
Nein. Weiße Löwen tragen eine Farbvariante, die zu einer stark aufgehellten, aber nicht pigmentfreien Fellfarbe führt. Ihre Augen sind normal gefärbt, meist blau oder goldbraun, und ihr Sehvermögen ist nicht beeinträchtigt.
Kann man Albinismus behandeln?
Nein, es handelt sich um eine genetische Veranlagung, die sich nicht rückgängig machen lässt. Man kann nur die Haltungsbedingungen anpassen, also Blendung vermeiden und bei empfindlichen Arten für Schatten sorgen.
Ist Albinismus bei Aquarienfischen ein Problem?
Weniger als bei tagaktiven Landtieren. Fische orientieren sich stark über Seitenlinienorgan und Geruch, weshalb die Sehschwäche im Becken kaum ins Gewicht fällt. Wichtig sind gedämpfte Bereiche und ausreichend Versteckmöglichkeiten, damit die Tiere der Beleuchtung ausweichen können.