Steine sind die einzige Dekoration im Aquarium, die die Wasserwerte dauerhaft verändern kann. Ein kalkhaltiger Stein hebt Karbonathärte und pH-Wert über Jahre an, und zwar so beharrlich, dass keine Düngung und kein Wasserwechsel dagegen ankommt. Deshalb steht vor jeder Gestaltungsfrage die Prüfung, ob das Material zum geplanten Besatz passt.
Der Kalktest
Der Test dauert eine Minute und entscheidet über Eignung oder Nichteignung. Ein paar Tropfen Essigessenz oder verdünnte Salzsäure auf eine frisch angeschlagene Stelle des Steins geben. Schäumt oder zischt es, ist Karbonat enthalten, der Stein hebt also die Härte an.
Zwei Details entscheiden über die Aussagekraft. Der Test muss an einer frischen Bruchstelle erfolgen, nicht an der verwitterten Außenseite, weil dort oft eine kalkarme Schicht sitzt. Und ein sehr schwaches, nur bei genauem Hinsehen erkennbares Perlen bedeutet geringen Kalkanteil, der bei einem einzelnen kleinen Stein in einem großen Becken tolerierbar sein kann, bei einem Hardscape aus zwanzig Kilogramm aber nicht.
Die gängigen Steinarten
| Stein | Kalkgehalt | Wirkung auf KH/pH | Optik | Geeignet für |
|---|---|---|---|---|
| Drachenstein (Ohko) | kein | neutral | zerklüftet, lehmbraun, viele Höhlungen | Weichwasser, Aquascaping, Garnelen |
| Lavastein | kein | neutral | porös, dunkelgrau bis rotbraun, leicht | alle Becken, gute Bakterienbesiedlung |
| Basalt | kein | neutral | dunkelgrau bis schwarz, dicht, schwer | alle Becken |
| Schiefer | meist kein | neutral | plattig, grau bis schwarz, spaltbar | alle Becken, gut für Höhlenbau |
| Quarzit und Kiesel | kein | neutral | rundlich, hell bis bunt | alle Becken |
| Seiryu-Stein | vorhanden | hebt KH und pH deutlich | graublau mit weißen Adern, sehr beliebt im Scaping | nur bei hartem Wasser oder mit Osmose gegengesteuert |
| Sandstein | je nach Herkunft | unterschiedlich, testen | warm getönt, porös | nach Kalktest entscheiden |
| Marmor und Travertin | hoch | hebt KH und pH stark | hell, geädert | nur Ostafrikabecken |
| Kalkstein, Muschelkalk | hoch | hebt KH und pH stark | hell, oft mit Fossilien | nur Ostafrikabecken |
| Korallenbruch, Lochgestein | sehr hoch | hebt KH und pH stark | weiß, hochporös | Malawi und Tanganjika, Meerwasser |
Der Sonderfall Seiryu
Seiryu-Stein ist im Aquascaping das meistverwendete Material und zugleich das am häufigsten falsch eingesetzte. Er enthält Karbonat und hebt die Karbonathärte messbar an, bei größeren Mengen um mehrere Grad über einige Wochen.
Für ein Aquascape mit Osmosewasser und Weichwasserbesatz ist das ein Problem, weil genau die Härte zurückkommt, die man mit Aufwand entfernt hat. Wer trotzdem mit Seiryu arbeiten will, hat drei Möglichkeiten: die Steinmenge klein halten und regelmäßig KH messen, mit häufigeren Wasserwechseln aus weichem Wasser gegensteuern, oder auf optisch ähnliche, aber kalkfreie Alternativen ausweichen. Wie sich die Härte gezielt senken lässt, steht im Beitrag zum pH-Wert senken.
Reinigung vor dem Einsetzen
Steine aus dem Fachhandel brauchen eine gründliche mechanische Reinigung unter fließendem Wasser mit einer Bürste, mehr nicht. Auf Spülmittel und Reinigungsmittel jeder Art wird verzichtet, weil Rückstände in Poren und Rissen verbleiben.
Bei Steinen aus der Natur ist zusätzlich ein Abkochen sinnvoll, etwa zehn Minuten in sprudelndem Wasser. Poröse Steine wie Lava sollten dabei nicht zu schnell erhitzt oder abgekühlt werden, weil eingeschlossenes Wasser den Stein sprengen kann. Wer unsicher ist, wässert stattdessen zwei bis drei Tage in einem Eimer mit täglichem Wasserwechsel.
Steine aus der Natur
Grundsätzlich möglich, mit vier Einschränkungen. Erstens der Kalktest, der auch bei Fundstücken zwingend ist. Zweitens die Herkunft: Steine aus landwirtschaftlich genutzten Gebieten, aus Straßennähe oder aus Gewässern unterhalb von Industriestandorten können Rückstände tragen. Drittens die Metallfrage: Steine mit sichtbaren metallischen Einschlüssen oder rostigen Verfärbungen gehören nicht ins Becken. Und viertens der rechtliche Rahmen, denn in Naturschutzgebieten und aus geschützten Gewässern ist die Entnahme von Material nicht zulässig, und auf privatem Grund braucht es die Zustimmung des Eigentümers.
Aufbau und Standsicherheit
Steine gehören nicht direkt auf die Bodenscheibe, sondern brauchen eine Trennung. Ein Stein mit scharfer Kante, der mit einigen Kilogramm punktuell auf dem Glas aufliegt, ist ein realistisches Bruchrisiko. Üblich sind Filtermatten-Zuschnitte oder Reste einer Styropormatte als Unterlage, die dann vom Bodengrund verdeckt werden.
Für Aufbauten gelten drei Regeln. Der Stapel wird von unten nach oben leichter, nicht umgekehrt. Grabende Fische und Schnecken untergraben Steine mit der Zeit, deshalb sollte der tragende Stein immer direkt auf der Unterlage stehen und nicht auf dem Bodengrund. Und Konstruktionen über etwa zwanzig Zentimetern Höhe werden verklebt, üblicherweise mit aquariengeeignetem Silikon oder Sekundenkleber-Gel, und zwar außerhalb des Beckens.
Bei Höhlen für Welse und Buntbarsche ist die Stabilität kein Komfortthema. Ein einstürzender Aufbau erschlägt Tiere, die darunter Schutz gesucht haben.
Menge und Proportion
Als Anhaltspunkt für ein Hardscape rechnet man mit etwa einem bis zwei Kilogramm Stein pro zehn Liter Beckenvolumen. Ein 180-Liter-Becken kommt also mit 18 bis 36 Kilogramm aus. Bei kalkfreiem Material ist die Menge unkritisch, bei kalkhaltigem sollte sie so klein wie möglich bleiben.
Gestalterisch bewährt hat sich eine ungerade Anzahl von Hauptsteinen, meist drei oder fünf, mit einem deutlich dominierenden Stück. Gleich große Steine in gleichmäßigem Abstand wirken schnell wie eine Reihe und nicht wie eine Landschaft.
Praxisbeispiel
Ein 112-Liter-Becken, geplant für Bienengarnelen mit aufgesalzenem Osmosewasser, Ziel KH 0 bis 1. Der ursprüngliche Entwurf sah ein Seiryu-Hardscape mit etwa zwölf Kilogramm vor.
Ein Testlauf in einem Eimer machte das Problem deutlich: zwei Kilogramm Seiryu in zwanzig Litern Osmosewasser hoben die KH innerhalb von zehn Tagen von 0 auf 2,5 °dH. Hochgerechnet auf zwölf Kilogramm im Becken wäre die angestrebte Weichwassersituation nicht zu halten gewesen.
Umgeplant wurde auf Drachenstein, der optisch zerklüfteter ist und im Kalktest keinerlei Reaktion zeigte. Nach dem Einrichten blieb die KH über drei Monate bei 0 bis 1. Der optische Charakter änderte sich, das Becken wirkt gröber strukturiert als mit Seiryu, aber die Wasserwerte stimmen ohne Dauerkorrektur.
Häufige Fragen
Kann ich kalkhaltige Steine versiegeln?
Theoretisch mit Epoxidharz oder Aquariensilikon, praktisch selten dauerhaft. Poröse Steine lassen sich kaum lückenlos versiegeln, und jede Fehlstelle wirkt weiter. Bei rein optischen Gründen ist der Umstieg auf ein kalkfreies Material der verlässlichere Weg.
Wie schnell verändern Steine die Wasserwerte?
Kalkhaltige Steine wirken über Wochen bis Monate, nicht über Stunden. Der Anstieg ist am Anfang am stärksten und flacht ab, hört aber nicht auf. Wer den Effekt abschätzen will, testet vorab in einem Eimer mit weichem Wasser und misst über zehn bis vierzehn Tage.
Sind Lavasteine wegen ihrer Poren problematisch?
Im Gegenteil, die Porosität ist ein Vorteil, weil sie Besiedlungsfläche für Bakterien bietet. Zu beachten ist nur, dass Lava scharfkantig sein kann. Für Becken mit Fischen, die viel am Boden entlangschwimmen, lohnt es, die Kanten zu prüfen.
Färben Steine das Wasser?
Manche Sandsteine und Tonsteine geben in den ersten Wochen feinen Abrieb ab, der das Wasser leicht trübt. Das legt sich, ein Feinvlies im Filter beschleunigt es. Anhaltende Trübung hat meist andere Ursachen, siehe trübes Aquarienwasser.
Wie viele Steine sind zu viel?
Technisch begrenzt das Beckengewicht die Menge, gestalterisch der Schwimmraum. Ein Hardscape, das mehr als etwa ein Drittel der Grundfläche einnimmt, geht zulasten des nutzbaren Raums für die Fische. Bei Höhlenbewohnern darf es mehr sein, bei freischwimmenden Schwarmfischen weniger.
Muss ich unter die Steine eine Unterlage legen, wenn Bodengrund darunter ist?
Ja. Bodengrund gleicht die Punktlast nicht aus, im Gegenteil: ein einzelnes Kieskorn zwischen Stein und Bodenscheibe konzentriert die Kraft zusätzlich. Zudem untergraben grabende Tiere den Bodengrund unter dem Stein mit der Zeit. Details zum Unterbau stehen im Beitrag zum Bodengrund-Aufbau.